Sivers Semiconductors steckt mitten in einem Umbau seines Geschäftsmodells – und der Markt reagiert nervös auf die Kosten dieses Wandels. Nach dem Quartalsbericht vom Donnerstag brach die Aktie um 13 Prozent ein und schloss bei 2,86 Euro. Über sieben Handelstage summiert sich der Verlust auf 15 Prozent, womit das Papier deutlich unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4,07 Euro notiert.
Umsatzrückgang bei strategischer Neuausrichtung
Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz um 12 Prozent im Jahresvergleich auf 53,8 Millionen schwedische Kronen. Der Nettoverlust weitete sich von 50,6 Millionen auf 115 Millionen Kronen aus. Das Unternehmen begründet dies mit einer bewussten Verschiebung weg von einmaligen Entwicklungsaufträgen (NRE) hin zu wiederkehrenden Produktrampen – ein Übergang, der kurzfristig auf die Erlöse drückt, langfristig aber planbarere Umsätze bringen soll.
Zusätzlich belastete eine buchhalterische Sondergröße das Ergebnis: Das bereinigte EBITDA-Defizit weitete sich von 20,9 Millionen auf 35,5 Millionen Kronen aus, teilweise verursacht durch eine nicht zahlungswirksame Sozialabgabe von 42,9 Millionen Kronen, die durch den Kursanstieg der Aktie im Quartal ausgelöst wurde.
Diese Position hängt technisch mit Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen zusammen und sagt wenig über die operative Substanz des Geschäfts aus, verzerrt aber die ausgewiesene Verlustzahl erheblich.
Auftragspipeline wächst deutlich
Dem enttäuschenden Zahlenwerk steht eine kräftig gewachsene Geschäftspipeline gegenüber: Sivers beziffert diese für Juli 2026 auf 1,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 268 Prozent gegenüber Ende 2025. Konkret unterlegt wird dieses Wachstum durch neue Aufträge – etwa eine Produktionsbestellung von ALL.SPACE über 8,2 Millionen US-Dollar für Ka-Band-Beamforming-Chips, die einen Produktionshochlauf ab 2027 unterstützen sollen.
Parallel dazu vertieft Sivers seine technologische Basis: Ein Programm mit SemiNex für Indiumphosphid-Lichtquellen der nächsten Generation für KI-Rechenzentren ist vor rund zwei Wochen angelaufen, seither hat die Aktie 22,1 Prozent verloren. Zusätzlich kündigte das Unternehmen eine strategische Zusammenarbeit mit GlobalFoundries für fortschrittliche Silizium-Photonik-Lösungen im Bereich KI-Infrastruktur an.
Kapitalbasis gestärkt, Board erweitert
Im Juli schloss Sivers eine Reihe von Kapitalmaßnahmen ab: Über zwei gezielte Aktienemissionen flossen dem Unternehmen brutto 825 Millionen Kronen an Eigenkapital zu, zusätzlich wurde ein Wandeldarlehen von Bootstrap Europe über 12 Millionen US-Dollar in Eigenkapital umgewandelt.
Die Warrant-Ausübung durch Bootstrap Europe vor gut drei Wochen, bei der 1,66 Millionen Aktien zu 4,53 Kronen erworben wurden, fügt sich in dieses Bild einer aktiv gesuchten Kapitalstärkung ein.
Das Board wurde um Joakim Nideborn und Helena Svancar erweitert. Zudem bereitet Sivers weiterhin eine Doppelnotierung in den USA vor, deren Abschluss für die erste Hälfte 2027 erwartet wird. Das Management selbst verweist auf das vierte Quartal 2026 als erwarteten Wendepunkt beim Umsatz, wenn Kundenprogramme in die Produktionsphase übergehen sollen.
Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Spagat zwischen kurzfristig schwachen Zahlen und einer stark wachsenden Auftragsbasis, die sich erst in den kommenden Quartalen in tatsächlichen Erlösen niederschlagen muss.
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