Sivers: 53,8 Millionen Aktien zur Kapitalbeschaffung

Sivers Semiconductors veröffentlicht verspäteten Quartalsbericht und steigt in den MSCI Sweden Small Cap Index auf. Analysten sehen hohe Bewertung.

Auf einen Blick:
  • Quartalszahlen am 29. Mai erwartet
  • Aufnahme in MSCI Sweden Small Cap Index
  • Mögliche Verwässerung durch Aktienprogramme
  • Aktie notiert weit über Analystenzielen

Sivers Semiconductors geht in eine Woche, die den jüngsten Kursrausch auf die Probe stellt. Am Donnerstag treffen mehrere Auslöser aufeinander: ein verspäteter Quartalsbericht, die Aufnahme in einen wichtigen Nebenwerteindex und wachsende Fragen rund um die Nasdaq-Pläne. Das dürfte spannend werden.

Indexkauf trifft auf Prüfbericht

Am 29. Mai veröffentlicht Sivers nach Börsenschluss den Zwischenbericht für das erste Quartal 2026. Am selben Tag rückt die Aktie in den MSCI Sweden Small Cap Index auf. Für passive Fonds und ETFs bedeutet das automatische Käufe, während der Markt erstmals Zahlen unter dem aufgewerteten US-Prüfstandard einordnet.

Der Bericht war vom 20. auf den 29. Mai verschoben worden. Als Grund nennt das Unternehmen die laufende Anhebung der Abschlussprüfung im Zuge der möglichen Zweitnotierung an der Nasdaq New York. Genau diese Verknüpfung macht die Zahlen besonders wichtig: Sie sind mehr als ein normaler Quartalsbericht.

Sivers hat bereits die Konzernabschlüsse überarbeitet, um sie näher an die US-PCAOB-Standards zu bringen. Dabei änderten sich unter anderem Umsatzabgrenzungen, Vorratsbewertungen, Annahmen zur Bewertung aktienbasierter Vergütungen und Wertminderungen bei aktivierten Entwicklungskosten.

Für 2024 sank der ausgewiesene Umsatz auf 219,2 Millionen schwedische Kronen. Zuvor standen 243,7 Millionen Kronen in den Büchern. Das ist keine kosmetische Anpassung, sondern ein klarer Eingriff in die historische Vergleichsbasis.

Schwerer wiegt die Verlustseite. Der Nettoverlust stieg von 116,3 auf 183,9 Millionen Kronen. Damit fällt der Weg zur operativen Selbstfinanzierung weiter aus, als die alte Darstellung vermuten ließ.

Für 2025 lag der Nettoumsatz bei 306,6 Millionen Kronen. Das ist leicht mehr als die früher genannten 304,1 Millionen Kronen. Beim Wachstum bleibt der Eindruck damit stabiler als bei der Profitabilität.

Der operative Verlust weitete sich im gleichen Jahr auf 177,8 Millionen Kronen aus. Vor der Überarbeitung waren es 141,3 Millionen Kronen. Auch der Nettoverlust wurde angehoben — von 186,5 auf 222,6 Millionen Kronen.

Hauptversammlung bringt Verwässerungsthema

Neben den Zahlen rückt die Hauptversammlung näher. Für den 15. Juni schlägt der Nominierungsausschuss einen neu zugeschnittenen Verwaltungsrat vor. Dr. Bami Bastani, Todd Thomson und Karin Raj sollen bleiben; Joakim Nideborn und Helena Svancar sollen neu hinzukommen.

Nideborn bringt CFO-Erfahrung aus börsennotierten Technologieunternehmen mit. Er soll als stellvertretender Vorsitzender vor allem die Schnittstelle zu Kunden, Mitarbeitern und Investoren in der nordischen Region betreuen. Svancar steht für internationale Strategie- und Skalierungserfahrung in Technologieunternehmen und Finanzinstituten.

Auf der Tagesordnung steht auch ein langfristiges Incentive-Programm. Es umfasst bis zu 7 Millionen Aktienoptionen und entspräche einer Verwässerung von rund 2 Prozent auf vollständig verwässerter Basis. Für ein Wachstumsunternehmen ist das nicht ungewöhnlich, aber in der aktuellen Bewertungslage sensibel.

Deutlich größer ist die vorgeschlagene Ermächtigung für den Verwaltungsrat. Sie würde die Ausgabe von Aktien, Optionsscheinen und Wandelanleihen im Umfang von bis zu 53.844.956 Stammaktien erlauben. Das entspräche einer möglichen Verwässerung von rund 15 Prozent.

Die Mittel sollen organisches Wachstum, Übernahmen, neue strategische Investoren und die Nasdaq-Zweitnotierung finanzieren. Genau hier liegt der Kernkonflikt: Der US-Kapitalmarkt könnte Sivers eine höhere Sichtbarkeit verschaffen, verlangt aber saubere Zahlen, Governance und möglicherweise frisches Kapital.

Auch die Vergütung des Verwaltungsrats wird angepasst. Vorgesehen ist eine aktienbasierte Zuteilung von 1 Million Kronen je Mitglied. Dazu kommen feste Jahresvergütungen von 1.050.000 Kronen für den Vorsitz und 600.000 Kronen für den stellvertretenden Vorsitz.

Shortseller, Großaktionär, Bewertung

Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor kommt vom Aktionariat. Großaktionär Achilles Capital und die Muttergesellschaft DDM Finance beantragen eine Restrukturierung, nachdem Bondanleihen über rund 225 Millionen Euro im April fällig wurden. Die Refinanzierung ist für die zweite Jahreshälfte geplant, hängt aber von der Genehmigung der Restrukturierung ab.

DDM will unter anderem Kreditportfolios über rund 30 Millionen Euro verkaufen. Außerdem stehen Beteiligungen aus Technologie und Life Sciences im Umfang von 30 bis 50 Millionen Euro zur Disposition. Ob Sivers in dieses Paket fällt, ist offen.

Auf der Short-Seite stehen zwei Positionen im Markt. Voleon Capital hält 1,86 Prozent der ausstehenden Aktien leerverkauft, Two Sigma kommt auf 1,78 Prozent. Die Indexaufnahme erhöht den Druck, weil passive Käufer unabhängig von fundamentalen Bedenken zukaufen müssen.

Hinzu kommt eine rechtliche Komponente. Die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde prüft, ob Informationen zu den Nasdaq-Plänen vor der offiziellen Mitteilung im April durchgesickert sind. Bestätigte Verstöße liegen bislang nicht vor.

Rund 48 Stunden vor der offiziellen Mitteilung hatte ein anonymer X-Account mit großer Reichweite Details zur geplanten Notierung veröffentlicht. Danach kam es zu auffälligen Kursbewegungen. Für eine Equity-Story, die stark auf US-Marktzugang und Glaubwürdigkeit setzt, ist das ein unangenehmer Begleiter.

Die Bewertung zeigt, wie weit Erwartung und operative Basis auseinanderliegen. Die Aktie schloss zuletzt bei 72,90 schwedischen Kronen und markierte im Verlauf mit 74,90 Kronen ein neues Jahreshoch. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 46,4.

Zum Vergleich: Der europäische Technologiesektor kommt im Schnitt auf etwa den Faktor 5. Das Jahrestief der Aktie liegt bei 2,85 Kronen, das durchschnittliche Analystenkursziel bei nur 6,55 Kronen. Die Aktie handelt damit weit über der fundamentalen Messlatte, die Analysten derzeit anlegen.

Das Management nennt als Zielmarke einen Jahresumsatzlauf von 50 bis 55 Millionen US-Dollar. Bei einer langfristigen Bruttomarge von mehr als 50 Prozent soll der operative Cashflow die Gewinnschwelle erreichen. Der Bericht am 29. Mai liefert den ersten konkreten Test, ob die überarbeitete Finanzbasis diesen Pfad stützt.

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