Sivers: 53,8 Millionen Aktien zur Abstimmung

Sivers-Aktie erholt sich nach Kurseinbruch. Am 15. Juni stimmen Aktionäre über Kapitalerhöhung und Nasdaq-Listing ab.

Auf einen Blick:
  • Kurserholung nach starkem Einbruch
  • Kapitalerhöhung von 15 Prozent geplant
  • Shortseller-Bericht belastet Aktie
  • Staatsanwalt prüft Insiderhandel

Nach dem Absturz um fast 34 Prozent in zwei Handelstagen erholt sich die Sivers-Aktie am Montag kräftig. Der Kurs klettert auf 7,83 Euro — ein Tagesplus von knapp 17 Prozent. Allerdings liegt das Papier noch immer rund 23 Prozent unter dem Jahreshoch von 10,23 Euro, das erst vergangene Woche markiert wurde.

Die eigentliche Entscheidung fällt am 15. Juni.

Was die Hauptversammlung auf den Tisch bringt

Der Vorstand will grünes Licht für bis zu 53,8 Millionen neue Aktien — das entspricht rund 15 Prozent Verwässerung. Das erklärte Ziel: finanzielle Flexibilität für organisches Wachstum, mögliche Akquisitionen und ein Dual-Listing an der Nasdaq in New York. Hinzu kommt ein Mitarbeiter-Optionsprogramm mit bis zu 7 Millionen neuen Optionen, was weitere rund 2 Prozent Verwässerung bedeutet.

Das Nasdaq-Listing setzt einen Wechsel auf PCAOB-Prüfungsstandards voraus. Dieser hat bereits Korrekturen der Abschlüsse für 2024 und 2025 ausgelöst — bei Umsatzrealisierung, Lagerbestandsbewertung und kapitalisierten Entwicklungskosten.

Shortseller, Staatsanwalt und Insider-Verkäufe

Der Kurseinbruch der Vorwoche kam nicht aus dem Nichts. Richard Bråse, Portfoliomanager beim Protean Aktiesparfond Norden, bezeichnete die Kursrally im schwedischen Fernsehen als „völlig unseriös“ und warf dem Management vor, substanzlose Pressemitteilungen zur Kurspflege zu nutzen. Zeitgleich veröffentlichte das Research-Haus Ningi einen Leerverkäuferbericht. Ningi wirft Sivers aggressive Umsatzrealisierung vor und bezweifelt die Legitimität von Kundenverträgen. Mindestens 97 Millionen Kronen — rund 31 Prozent des für 2025 gemeldeten Umsatzes — seien fragwürdig.

Staatsanwalt Jonas Myrdal hat außerdem „auffällige“ Handelsmuster rund um die Nasdaq-Ankündigung als verdächtig eingestuft. Präzise Details zum Listing kursierten auf der Plattform X bereits 48 Stunden vor der offiziellen Meldung. Die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde prüft nun mögliche Verstöße gegen EU-Marktmissbrauchsregeln.

Parallel dazu trennten sich zwei bedeutende Aktionäre vollständig von ihren Positionen. Harish Krishnaswamy, Chef der Wireless-Sparte, verkaufte 1,39 Millionen Aktien für rund 100 Millionen Schwedische Kronen. Auch der Fonds Cicero Fonder liquidierte seine gesamte Beteiligung. Leerverkäufer halten inzwischen 6,55 Prozent des Streubesitzes — darunter Qube Research & Technologies, Voleon Capital Management und Two Sigma Investments.

Was das Management dagegensetzt

Der Vorstand verweist auf eine stark wachsende Auftragspipeline. Im ersten Quartal 2026 stieg diese um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar gegenüber Jahresende 2025. Ferner hat Sivers eine Kooperation mit GlobalFoundries angekündigt, um Silizium-Photonik-Lösungen für den KI-Infrastrukturmarkt zu entwickeln. Langfristig peilt das Unternehmen ab 2027 jährliches Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent an.

Die aktuellen Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Der Umsatz im ersten Quartal fiel auf 61,9 Millionen Schwedische Kronen — ein Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Verlust weitete sich auf minus 41,5 Millionen Kronen aus. Der operative Cashflow lag bei minus 49,2 Millionen Kronen.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität beträgt derzeit rund 249 Prozent. Am 6. August legt Sivers den Halbjahresbericht vor — der erste echte Zahlentest für die Pipeline-Versprechen des Managements.

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