Sivers Semiconductors erlebt eine Woche, die selbst im Chipsektor heraussticht. Erst trieb die GlobalFoundries-Kooperation die Aktie auf ein neues Hoch. Dann kamen Shortseller-Vorwürfe, Insiderverkäufe und ein heikler HV-Antrag zur Kapitalstruktur.
Am Freitag schloss die Aktie bei 6,76 Euro, ein Minus von 15,28 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 9,11 Prozent.
Vom KI-Hype zum Kursrutsch
Der Kurs erreichte am 3. Juni ein 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro. Auslöser war die kurz zuvor gemeldete strategische Zusammenarbeit mit GlobalFoundries. Bis Freitag verlor die Aktie 33,87 Prozent gegenüber diesem Hoch.
Das zeigt, wie schnell die Stimmung gekippt ist. Die Story bleibt attraktiv: Photonik-Chips gelten als wichtiger Baustein für schnellere und effizientere KI-Infrastruktur. Die jüngsten Ereignisse haben aber Zweifel an Bewertung, Transparenz und Kapitalbedarf verschärft.
Über 30 Tage liegt die Aktie noch 45,48 Prozent im Plus. Sie notiert auch 72,84 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 3,91 Euro.
Shortseller, Ermittlungen und Insiderverkäufe
Ningi Research veröffentlichte am 1. Juni einen kritischen Bericht zu Sivers. Darin ging es um angeblich fragwürdige Umsatzbilanzierung, schwache Kundenverträge und gebrochene Versprechen zum Produktionshochlauf seit 2018. Ningi erklärte zugleich, eine Short-Position in Sivers-Papieren zu halten.
Einen Tag später leitete Rosen Law Firm eine Prüfung möglicher Verstöße gegen Wertpapiergesetze ein. Im Zentrum steht der Verdacht, Sivers könnte irreführende Geschäftsinformationen veröffentlicht haben. Für die Aktie kam das zur ungünstigsten Zeit.
Auch schwedische Behörden prüfen den Handel. Staatsanwalt Jonas Myrdal verwies darauf, dass die Aktie bereits rund 48 Stunden vor einer offiziellen Mitteilung zu einer geplanten US-Notierung stark gestiegen war. Er nannte dieses Muster „auffällig“.
Die Nervosität wuchs durch größere Verkäufe aus dem Umfeld des Unternehmens. Harish Krishnaswamy, Leiter des Wireless-Geschäfts, verkaufte seinen gesamten Bestand von 1,39 Millionen Aktien. Der Verkauf brachte rund 100 Millionen schwedische Kronen ein.
Auch Cicero Fonder stieg vollständig aus. Der institutionelle Investor verkaufte 5,75 Millionen Aktien. Das entsprach rund 1,8 Prozent des Grundkapitals.
Der Short Interest ist inzwischen auf 17 Prozent des Free Float gestiegen. Anfang März lag der Wert noch bei 1,6 Prozent. Nordea erhöhte daraufhin die Margen für Bear-Zertifikate teils deutlich.
Operativ bleibt der Druck hoch
Die jüngsten Zahlen passen nicht zum explosiven Kursbild. Im ersten Quartal sank der Nettoumsatz um 22 Prozent auf 61,9 Millionen schwedische Kronen. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen.
Sivers verweist auf verzögerte US-Verteidigungsbudgets nach dem Government Shutdown Ende des Vorjahres. Währungseffekte belasteten ebenfalls. Das erklärt einen Teil der Schwäche, nimmt aber nicht den Druck aus der Bewertung.
Operativ schrieb das Unternehmen einen Verlust von 41,5 Millionen Kronen. Der operative Cashflow lag bei minus 49,2 Millionen Kronen. Damit bleibt die Finanzierung des Wachstums ein zentraler Punkt.
Auf der positiven Seite meldete Sivers starkes Wachstum in der Pipeline. Seit Jahresbeginn stieg sie um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar. Die GlobalFoundries-Meldung lieferte jedoch keine Details zu Vertragswert, Mindestvolumen oder Umsatzzeitplan.
HV rückt Kapitalfrage ins Zentrum
Ein technischer Stützfaktor kam aus den Indizes. Sivers wurde zum 1. Juni in den OMX Stockholm Benchmark Index aufgenommen. Kurz zuvor kam die Aktie auch in den MSCI Sweden Small Cap Index.
Solche Aufnahmen können Käufe durch indexnahe Fonds auslösen. Sie ändern aber nichts am Kernproblem. Der Markt verlangt nun belastbare Antworten zu Aufträgen, Bilanzqualität und Finanzierung.
Am 15. Juni steht die Hauptversammlung an. Zur Abstimmung liegt ein langfristiges Anreizprogramm mit bis zu 7 Millionen Aktienoptionen. Das entspräche etwa 2 Prozent Verwässerung.
Deutlich wichtiger ist die geplante Ermächtigung für neue Aktien, Optionsscheine und Wandelanleihen. Sie könnte bis zu 53,8 Millionen Stammaktien umfassen. Das entspräche rund 15 Prozent der aktuellen Aktienzahl.
Das Management nennt mehrere mögliche Ziele. Dazu zählen organisches Wachstum, Akquisitionen, strategische Investoren und eine Zweitnotierung an der Nasdaq in New York. Genau hier liegt der Hebel für die nächste Kursbewegung.
Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 246,66 Prozent bleibt die Aktie extrem anfällig. Der RSI von 55,4 signalisiert keine klare Überhitzung mehr. Am 15. Juni muss Sivers mehr liefern als eine starke KI-Erzählung.
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