Die Singapore Exchange verzeichnet nach ihrem Rekordhoch im Spätsommer spürbare Kursverluste. Im heutigen Handel gibt die Aktie um 1,3 Prozent auf 14,70 Euro nach. Damit notiert das Papier 16 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Hinter der jüngsten Schwäche steht eine wachsende Skepsis über das Bewertungsniveau des Börsenbetreibers. Nach einer monatelangen Aufwärtsbewegung warnen Analysten vor überzogenen Erwartungen an das künftige Gewinnwachstum. Vor allem eine mögliche Eintrübung im Derivategeschäft sorgt für Zurückhaltung, da schwächere Handelsvolumina bei Eisenerzkontrakten die Gebühreneinnahmen belasten könnten.
Analysten dämpfen die Erwartungen
Die veränderten Aussichten spiegeln sich in den Urteilen führender Analysehäuser wider. Citi stufte die Aktie mit einer Verkaufsempfehlung ein und setzte ein Kursziel von 17,70 Singapur-Dollar fest. Zugleich setzten die Experten den Titel auf eine Negativbeobachtungsliste für die kommenden 90 Tage, nachdem sie ihre Gewinnschätzungen zurückgenommen hatten.
Auch JPMorgan dämpfte die Zuversicht und stufte die Papiere auf eine neutrale Haltung ab. Andere Analysehäuser passten ihre Urteile ebenfalls nach unten an. Am Markt gilt vor allem das hohe Bewertungsniveau als Risiko, da der Betreiber zuletzt mit einem deutlichen Aufschlag zum historischen Durchschnitt gehandelt wurde.
Die Skepsis der Analysten traf die Aktie nach einer langen Rallye empfindlich. Seit dem Rekordhoch am 26. August verlor der Börsenbetreiber rund 4,2 Milliarden US-Dollar an Marktwert, was einem Rückgang von 19 Prozent entspricht.
Damit preisen Anleger eine spürbare Normalisierung des Wachstums ein. Um den Heimatmarkt für eine breitere Anlegerschaft zu öffnen und den Handel anzukurbeln, treibt das Management gleichzeitig weitreichende Marktinitiativen voran.
Kleinere Handelsmengen für mehr Privatanleger
Am Montag trat eine Reform der Mindesthandelsgrößen in Kraft. Für elf ausgewählte Unternehmen, darunter auch die Singapore Exchange selbst, wurde die Standardgröße von 100 auf 10 Aktien gesenkt. Der Schritt senkt die Einstiegshürde vor Gebühren um 90 Prozent.
Die Neuerung stieß umgehend auf reges Interesse bei den Marktteilnehmern. Mehr als die Hälfte aller ausgeführten Transaktionen in den betroffenen Werten lag am Einführungstag unter der früheren Mindestgröße. Gleichwohl mahnen Marktbeobachter vor verfrühtem Optimismus. Kleinere Ordergrößen erleichtern zwar den Marktzugang, doch Mindestgebühren der Broker können die Rendite kleinerer Aufträge belasten.
Konkurrenz um internationale Börsengänge
Zusätzlicher Druck entsteht im Wettbewerb um wachstumsstarke Börsenkandidaten aus Südostasien. Zwar schloss die Handelsplattform bereits eine Partnerschaft mit der Nasdaq für ein gemeinsames Notierungsmodell, um internationale Debüts anzulocken. Allerdings entschied sich der Rechenzentrumsbetreiber DayOne am Dienstag für einen reinen Börsengang an den US-Märkten.
Ein solcher Alleingang dämpft die Hoffnungen auf eine schnelle Belebung des primären Emissionsmarktes in Singapur. Zwar unterstützt die Währungsbehörde MAS den Finanzplatz durch Förderprogramme für das Market-Making und die Kapitalvergabe an institutionelle Verwalter. Große regionale Wachstumsunternehmen streben bei ihren Milliardenvorhaben jedoch weiterhin bevorzugt an die Handelsplätze in den Vereinigten Staaten.
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