Sechs Prozent organisches Umsatzwachstum, aber ein Kursrutsch von fast sechs Prozent — bei Sinch klaffen Wachstumstempo und Marktreaktion am Mittwoch deutlich auseinander. Der Grund: Unter dem Strich blieb von der Wachstumsstory kaum etwas übrig.
Zahlen enttäuschen trotz Wachstum
Der Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal organisch um 6 Prozent auf 6.866 Millionen schwedische Kronen. In absoluten Zahlen wirkt das Bild jedoch schwächer: Der Rohertrag sank auf 2.300 Millionen Kronen, nach 2.322 Millionen im Vorjahresquartal. Auch das bereinigte EBITDA gab leicht nach, von 869 auf 858 Millionen Kronen.
Währungseffekte drückten zusätzlich auf die Zahlen — sie kosteten das Umsatzwachstum 2 Prozentpunkte und den Rohertrag 3 Prozentpunkte. Für Anleger, die nach Quartalen schwacher Profitabilität endlich eine Wende erwartet hatten, war das eine Enttäuschung. Die Aktie fiel im Tagesverlauf von der Eröffnung bei 37,09 Kronen bis auf ein Tief von 33,74 Kronen und erholte sich anschließend teilweise.
Verschärft wurde die Reaktion durch hohe Vorschusslorbeeren: DNB Carnegie hatte das Kursziel zuletzt auf 52 Kronen angehoben, Danske Bank auf 43 Kronen. Beide Marken lagen deutlich über dem, was die Zahlen am Ende liefern konnten.
Americas trägt fast alles
Regional zeigt sich ein klares Ungleichgewicht. Die Americas-Region liefert inzwischen 66 Prozent des gesamten Rohertrags — mehr als das Dreifache des EMEA-Anteils von 21 Prozent. Dort wuchs der organische Rohertrag um 10 Prozent, getrieben von API-Produkten und Kosteneinsparungen im US-Sprachgeschäft durch die Umstellung auf IP-basierte Übertragungstechnik.
EMEA stabilisierte sich nach drei Quartalen mit rückläufigem Umsatz, allerdings bei niedrigerer Marge — Auslöser war die Abwanderung von Kunden aus einem eingestellten Verifizierungsdienst. In APAC blieb Indien der Belastungsfaktor: Operative Probleme dort drückten die Region insgesamt ins Minus, während das Geschäft außerhalb Indiens zweistellig wuchs.
Führungswechsel und Aktienrückkäufe
Die Zahlen kamen inmitten eines Führungswechsels an der Spitze. Nach dem Rückzug von Laurinda Pang leitet CFO Jonas Dahlberg das Unternehmen nun zusätzlich als amtierender CEO — eine Doppelrolle, die bei Investoren Fragen zur strategischen Kontinuität aufwirft. Parallel dazu holte Sinch mit Jonathan Bean als EVP für EMEA und Sophie Cheng als Chief Marketing Officer zwei neue Führungskräfte.
Auf der Kapitalseite bleibt Sinch aktiv: Die Hauptversammlung beschloss die Einziehung von rund 55,5 Millionen Aktien, entsprechend 7,2 Prozent der ausgegebenen Anteile. Der Vorstand erhielt zudem die Ermächtigung, bis zur Hauptversammlung 2027 weitere 10 Prozent der Aktien zurückzukaufen — gestützt auf eine verbesserte Verschuldungsquote von 1,9 gegenüber zuvor 2,0.
Für die zweite Jahreshälfte stellt das Management eine Verbesserung sowohl beim organischen Umsatz- als auch beim Rohertragswachstum in Aussicht. Ob das reicht, um die Lücke zwischen Wachstumstempo und Profitabilität zu schließen, muss sich vor allem in EMEA und APAC zeigen — dort bleibt die operative Stabilisierung noch unvollständig.
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