Siltronic hat sich über Nacht frisches Geld besorgt — und der Markt reagiert mit einem gedämpften Achselzucken. Drei Millionen neue Aktien, platziert zu 91 Euro je Stück, bringen dem Waferhersteller brutto 273 Millionen Euro ein. Der Kurs? Gibt nach, aber hält sich besser als zunächst befürchtet.
Opportunistisch oder notwendig?
Das ist die Frage, die Jefferies-Analyst Constantin Hesse offen formuliert. Die Kapitalerhöhung geschehe wohl opportunistisch im Anschluss an den zuletzt starken Kursanstieg, schreibt er — und erinnert gleichzeitig daran, dass das Management noch beim Q1-Ergebnis eine solide Bilanz ohne Liquiditätsprobleme betont hatte. Wer damals zugehört hat, darf sich jetzt fragen, was sich geändert hat.
Der Abschlag von knapp 7 Prozent auf den Schlusskurs von 97,70 Euro war „ordentlich“, wie es im Handel heißt. In der Früh verlor die Aktie zeitweise mehr als 6 Prozent, erholte sich aber rasch. Ankeraktionär HAL Trust beteiligte sich mit einer bedeutenden Order — ein Signal, das beruhigend wirken soll. Die Emission war laut Unternehmensangaben deutlich überzeichnet.
KI-Boom trägt, der Rest noch nicht
Der Kontext ist entscheidend. Siltronic hat in diesem Jahr seinen Kurs fast verdoppelt — getragen von der Nachfrage nach 300-Millimeter-Wafern, die für KI-Chips gebraucht werden. Ende Mai hatte bereits Großaktionär Wacker Chemie den Höhenflug für eine Platzierung genutzt und seinen Anteil auf 24 Prozent reduziert. Jetzt zieht das Unternehmen selbst nach.
Das Geld soll in Wachstum fließen, konkret in den Hochlauf einer neuen Fabrik in Singapur. Abseits des KI-Segments bleibt die Lage allerdings schwierig: Hohe Lagerbestände bei Kunden, anhaltender Preisdruck und rückläufige Nachfrage nach 200-Millimeter-Wafern — vor allem aus Industrie und Automotive — belasten das Bild. Für 2026 erwartet Siltronic einen deutlichen Rückgang beim operativen Ergebnis, der Umsatz dürfte im mittleren einstelligen Prozentbereich unter dem Vorjahreswert liegen.
Die neuen Aktien werden ab 1. Januar dividendenberechtigt, ihre Aufnahme in den regulären Handel ist für den 19. Juni vorgesehen. Ob das zusätzliche Kapital reicht, um die strukturellen Schwächen in den zyklisch schwachen Segmenten zu überbrücken, wird sich spätestens beim nächsten Quartalsbericht zeigen.
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