Der Silberpreis stabilisiert sich zum Wochenauftakt, nachdem die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole die Edelmetallmärkte kräftig durchgerüttelt hatte. Am Montag notiert Silber bei 66,4295 US-Dollar je Feinunze und damit fast unverändert zum Vortag. Nach dem heftigen Einbruch vom Freitag deutet sich damit eine Verschnaufpause an.
Warsh-Rede als Auslöser der Turbulenzen
Auslöser der jüngsten Verwerfungen war die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh, der die Bekämpfung der Inflation in den Vordergrund seiner Geldpolitik stellte. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September ist an den Terminmärkten in der Folge deutlich gestiegen – von rund 36 Prozent auf inzwischen fast 60 Prozent.
Höhere Zinsen verteuern das Halten von zinslosen Edelmetallen wie Silber und Gold, was den Ausverkauf am Freitag erklärt, als Silber laut Marktdaten binnen eines Tages um 4,2 Prozent auf 67,09 US-Dollar einbrach.
Auch Gold geriet unter Druck: Der Goldpreis fiel am Freitag unter die Marke von 4.500 US-Dollar je Unze und notiert am Montag bei 4.423,68 US-Dollar, ein Rückgang von 0,75 Prozent. Die parallele Bewegung beider Edelmetalle unterstreicht, dass die Zinserwartungen derzeit der dominierende Preistreiber sind – nicht unternehmens- oder angebotsspezifische Faktoren.
Langfristiger Trend bleibt intakt
Trotz des jüngsten Rücksetzers bleibt die längerfristige Bilanz für Silber eindrucksvoll. Auf Jahressicht steht ein Plus von rund 68 Prozent zu Buche, getrieben von der Doppelrolle des Metalls als Wertspeicher und Industrierohstoff. Wer vor einem Jahr 10.000 US-Dollar in Silber investierte, hätte sein Kapital nach dieser Rechnung mehr als anderthalbfach vermehrt.
Für die kommenden Tage rückt der US-Arbeitsmarktbericht in den Fokus der Anleger. Erwartet werden für August rund 50.000 neue Stellen bei einer stabilen Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent, nachdem der Juli mit einem Stellenabbau von 23.000 überrascht hatte.
Schwächer als erwartete Daten könnten die Zinserhöhungswahrscheinlichkeit wieder dämpfen und Edelmetallen Auftrieb verschaffen – ein enttäuschender Bericht hingegen dürfte den Zinserhöhungskurs der Fed bestätigen und damit erneuten Verkaufsdruck auf Silber auslösen.
Auch geopolitische Risiken spielen weiterhin eine Rolle: Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus hat die Ölpreise am Wochenende um mehr als zwei Prozent steigen lassen und die Risikowahrnehmung an den Märkten insgesamt erhöht.
Für Silber-Anleger bedeutet die aktuelle Gemengelage aus Zinsfantasie, geopolitischer Unsicherheit und robuster Industrienachfrage: Die Volatilität dürfte in den kommenden Handelstagen hoch bleiben, während die Frage nach der Fed-Zinsentscheidung im September die Richtung vorgibt.
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