Abrupter Rückschlag nach starker Vorwoche
Der Silberpreis ist am 23. Juli 2026 deutlich unter Druck geraten. Nach einem Wochenhoch bei 60,94 Dollar je Feinunze rutschte das Edelmetall auf rund 57,62 Dollar ab, wie Marktanalysten von FXStreet berichten. Damit hat Silber seine kurzfristige Aufwärtsstruktur durchbrochen. Der Relative-Stärke-Index fiel unter die neutrale Schwelle von 50 und signalisiert damit nachlassenden Kaufdruck.
Aus charttechnischer Sicht rückt laut FXStreet nun die Marke von 55 Dollar in den Fokus der Verkäufer. Hält diese Zone nicht, könnten als nächste Auffanglinien 50 Dollar und das Novembertief 2025 bei 48,64 Dollar folgen. Eine erste Unterstützung sehen die Analysten bereits bei 54,77 Dollar, dem Tief vom 17. Juli. Auf der Oberseite müsste Silber die Marken bei 60,94, 63,38 und 64,00 Dollar zurückerobern, um wieder Stärke zu zeigen – der gleitende 50-Tage-Durchschnitt bei 65,79 Dollar liegt derzeit noch deutlich darüber. Auch am Weltmarkt bleibt die 60-Dollar-Marke ein psychologischer Widerstand. Analyst Lewis verweist auf die hohen US-Zinsen als belastenden Faktor und sieht die kommende Fed-Politik als entscheidend für die weitere Richtung.
Zinssorgen und Ölpreisschock belasten Edelmetalle
Der Rückschlag fällt in eine Phase wachsender Zinserwartungen und geopolitischer Nervosität. Nachdem Huthi-Rebellen saudische Öltanker im Roten Meer angegriffen hatten, sprang der Brent-Ölpreis erstmals seit Mai über die Marke von 100 Dollar je Barrel. US-Präsident Trump drohte dem Iran und den Huthi-Rebellen mit einer militärischen Reaktion, was die Risikoaufschläge an den Rohstoffmärkten weiter befeuerte.
Parallel dazu stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,703 Prozent, den höchsten Schlussstand seit Anfang 2025. Am Terminmarkt kletterte die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September auf 83 Prozent, nachdem sie zuvor noch bei 68 Prozent gelegen hatte. Steigende Zinsen verteuern tendenziell das Halten von zinslosen Edelmetallen wie Silber und Gold.
Auch Gold geriet in diesem Umfeld unter Druck und fiel auf Notierungen unter 4.050 Dollar je Feinunze, ein Rückgang von rund 2 Prozent. Die Europäische Zentralbank beließ ihre Leitzinsen unterdessen unverändert bei 2,25, 2,40 und 2,65 Prozent für Einlagefazilität, Hauptrefinanzierungssatz und Spitzenrefinanzierungssatz. Lagarde warnte vor Risiken durch den Nahostkonflikt und steigende Ölpreise und schloss eine weitere Zinserhöhung im September nicht aus.
WisdomTree sieht langfristig Weg zu 70 Dollar
Trotz des jüngsten Rückschlags bleibt die langfristige Einschätzung einzelner Analysehäuser optimistisch. Nitesh Shah, Analyst bei WisdomTree, verweist darauf, dass der Silberpreis seit seinem Rekordhoch im Januar 2026 um etwa die Hälfte gefallen ist. Der Rückgang habe seiner Einschätzung nach überzogene Markterwartungen abgebaut, ohne das strukturelle Angebotsdefizit am Silbermarkt zu beseitigen.
Shah führt die anhaltende Nachfrage auf die Elektrifizierung, den Ausbau künstlicher Intelligenz und den Bau von Rechenzentren zurück. Er rechnet mit einem Anstieg des Silberpreises auf rund 70 Dollar je Feinunze bis zum zweiten Quartal 2027. Die hohe Schwankungsbreite des Marktes unterstreicht der CBOE-Silbervolatilitätsindex, der zuletzt bei 48,7 Prozent lag – gut doppelt so hoch wie der entsprechende Index für Gold.
Für Anleger bleibt Silber damit ein Markt der Gegensätze: kurzfristig belastet von steigenden Zinserwartungen, einem festeren Dollar und geopolitischen Risikoprämien beim Öl, langfristig getragen von einer nach Einschätzung von WisdomTree strukturell knappen Angebotslage.
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