Der Silbermarkt steht vor einem strukturellen Wandel bei einem seiner wichtigsten industriellen Abnehmer. Die Solarbranche, jahrelang treibende Kraft der Industrienachfrage, plant den schrittweisen Ausstieg aus dem Edelmetall. Der Silberpreis notierte am Dienstag bei 66,38 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,7 Prozent zum Vortag.
Kupfer statt Silber in der Solarzelle
Der chinesische Photovoltaik-Konzern LONGi treibt die Umstellung auf kupferbasierte Kontakte voran. Ab dem zweiten Quartal 2026 soll die Massenfertigung solcher Zellen anlaufen. Auch Aiko Solar hat nach eigenen Angaben bereits Produktion im Gigawatt-Maßstab für silberfreie Module erreicht. Beide Hersteller zählen zu den größten der Branche, ihr Vorstoß gilt als Signal für die gesamte Industrie.
Für den Silbermarkt ist das keine Randnotiz. Das Silver Institute rechnet für 2026 mit einem Rückgang der Solarnachfrage nach Silber um rund 19 Prozent, nachdem bereits das Vorjahr schwächer ausgefallen war. Die Photovoltaik-Industrie war über Jahre einer der Hauptgründe für den Nachfrageüberhang, der den Silberpreis mittrug. Fällt dieser Nachfragetreiber weg, verändert sich die Rechnung für den Markt spürbar.
Andere Nachfragequellen sollen die Lücke füllen
Das Silver Institute erwartet dennoch, dass die industrielle Gesamtnachfrage nach Silber bis 2030 weiter wächst – getragen von Elektrofahrzeugen, deren Ladeinfrastruktur sowie Datenzentren und Anwendungen der künstlichen Intelligenz.
Diese Sektoren sollen den nachlassenden Solarbedarf zumindest teilweise kompensieren. Ob das gelingt, dürfte mitentscheidend dafür sein, wie sich das seit Jahren bestehende Angebotsdefizit am Silbermarkt weiterentwickelt.
Parallel bleibt die Investmentnachfrage ein Stützpfeiler. Der weltweite Absatz von Münzen und Barren legte 2025 um 14 Prozent zu, für 2026 rechnen Branchenbeobachter mit einem weiteren Anstieg von 18 Prozent, angetrieben vor allem durch eine erwartete Erholung der US-Einzelhandelsnachfrage.
Kurs bewegt sich seitwärts nach turbulentem Jahr
Nach dem Allzeithoch von über 121 US-Dollar im Januar und der darauffolgenden scharfen Korrektur hat sich der Silberpreis zuletzt stabilisiert. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 61 Prozent zu Buche – ein Wert, der die enorme Bewegung des vergangenen Jahres verdeutlicht. Seit Jahresbeginn liegt der Kurs hingegen mit 6,0 Prozent im Minus, was die Größenordnung der Januar-Korrektur widerspiegelt.
Für Anleger verschiebt sich der Blick damit weg von kurzfristigen Kursausschlägen hin zu der Frage, wie tragfähig die industrielle Nachfragebasis für Silber mittelfristig bleibt. Die Entscheidung der Solarindustrie, sich technologisch vom Edelmetall zu lösen, dürfte diese Debatte in den kommenden Quartalen weiter befeuern.
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