Starke Abverkäufe an den Terminmärkten, aber eine robuste Nachfrage in der Industrie — bei Silber klaffen Papierpreis und physische Realität derzeit weit auseinander. Spekulanten fliehen vor steigenden Zinsen aus dem Edelmetall. Physische Käufer nutzen genau diese Schwäche für eine stille Akkumulation.
Auslöser der jüngsten Talfahrt sind hartnäckige US-Inflationsdaten. Im April kletterten die Verbraucherpreise mit 3,8 Prozent stärker als prognostiziert. Am Markt wächst die Sorge, dass die US-Notenbank Fed das Zinsniveau vor Ende 2026 sogar weiter anheben könnte. Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt nach oben bis Oktober taxieren Händler mittlerweile auf knapp 27 Prozent.
Im Zuge dieser Zinsängste stiegen die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen auf ein 14-Monats-Hoch. Der erstarkte US-Dollar drückte den Silberpreis bis auf aktuell 76,34 US-Dollar. Damit notiert das Edelmetall massiv unter seinem Jahreshoch, hält sich aber knapp über der mittelfristigen Trendlinie.
Divergenz im Tresor
Während Algorithmen ihre Positionen liquidieren, wachsen die registrierten Bestände in den COMEX-Tresoren auf fast 82 Millionen Unzen an. Marktbeobachter werten dies als klares Signal. Industrielle Abnehmer aus den Bereichen 5G-Technologie und KI-Rechenzentren sichern sich auf dem niedrigeren Preisniveau Material. Diese Schere zwischen fallendem Papierpreis und stabiler physischer Nachfrage baut massiven Druck auf.
Fokus auf den Juni-Kontrakt
In der kommenden Handelswoche blicken Händler gebannt auf Freitag, den 29. Mai. Der sogenannte „First Notice Day“ für den Juni-Silberkontrakt an der COMEX zwingt Marktteilnehmer zu einer Entscheidung.
- Lieferdruck: Offene Juni-Kontrakte repräsentieren derzeit eine theoretische Auslieferung von rund 14,2 Millionen Unzen.
- Charttechnik: Fällt der Preis unter die kurzfristige Unterstützung bei 75 US-Dollar, droht ein weiterer Rücksetzer bis in den Bereich von 70 US-Dollar.
- Geopolitik: Die Lage an der Straße von Hormus sowie die amerikanisch-chinesischen Beziehungen bleiben die zentralen Risikofaktoren für Industriemetalle.
Die anstehende Entscheidung über die physische Auslieferung der Juni-Kontrakte sorgt traditionell für massive Umschichtungen in letzter Minute. Angesichts einer ohnehin hohen annualisierten Volatilität von 58 Prozent steht dem Silbermarkt eine unruhige Woche bevor. Hält die Marke von 75 US-Dollar nicht, dürfte sich der Abverkauf kurzfristig beschleunigen.
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