Silber steht vor einer entscheidenden Woche. Der Kurs schloss am Freitag bei 58,49 US-Dollar, ein Plus von 4,04 Prozent auf Wochensicht. Jetzt rückt die US-Notenbank ins Zentrum der Aufmerksamkeit — und mit ihr die Frage, ob der zinslose Rohstoff endlich wieder Fahrt aufnimmt.
Die Fed entscheidet, der Ton zählt
Vom 28. bis 29. Juli tagt das FOMC-Komitee. Der Markt preist eine rund 89-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause ein. Die eigentliche Debatte hat sich bereits auf September und Dezember verschoben.
Wichtig für Silber-Anleger: Juli liefert keine neuen Wirtschaftsprojektionen. Der nächste Dot Plot kommt erst im September. Deshalb zählt diesmal weniger die Entscheidung selbst als der Tonfall im Statement und in der Pressekonferenz. Eine Hold-Entscheidung mit gemäßigter Sprache würde den Druck durch reale Renditen lindern. Eine überraschend restriktive Rhetorik würde ihn dagegen verlängern.
Inflationsdaten liefern Rückenwind
Die Verbraucherpreise sendeten zuletzt ein silberfreundliches Signal. Im Juni lag die Jahresrate bei 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai — der erste monatliche Rückgang seit April 2020. Setzt sich dieser disinflationäre Trend fort, dürfte das die Erwartungen auf künftige Zinssenkungen weiter untermauern.
Parallel dazu bleibt die Angebotsseite angespannt. Der Markt verzeichnet bereits das sechste Angebotsdefizit in Folge, mit einem Fehlbetrag von 46,3 Millionen Unzen. Die Industrienachfrage macht mittlerweile 58 Prozent der gesamten Nachfrage aus — angetrieben von Solarindustrie, Elektronik und Elektromobilität.
Gold-Silber-Ratio zeigt Aufholpotenzial
Ein historischer Indikator fällt derzeit besonders auf. Das Gold-Silber-Verhältnis liegt bei 69,2:1, nahe dem oberen Ende seiner 50-jährigen Spanne. Das signalisiert: Silber ist im Vergleich zu Gold unterbewertet.
Marktbeobachter ziehen diese hohe Ratio häufig als Argument für einen möglichen Aufholprozess heran. Voraussetzung wäre allerdings ein sich aufhellendes makroökonomisches Umfeld.
Analystenziele weit über dem aktuellen Niveau
Trotz der jüngsten Korrektur bleiben langfristige Prognosen konstruktiv. Der LBMA-Analystenkonsens für 2026 liegt bei 79,57 US-Dollar je Unze. JPMorgan geht in seinem Basisszenario sogar von 81 US-Dollar aus — beide Werte deutlich über dem aktuellen Kurs.
Der Abstand zum bisherigen Rekordhoch bleibt allerdings beträchtlich. Vom 52-Wochen-Hoch bei 121,78 US-Dollar aus dem Januar liegt Silber aktuell fast 52 Prozent entfernt. Der RSI von 44,3 zeigt dabei weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen — der Markt sucht seine Richtung.
Weitere Risiken und Chancen
Neben der Fed-Entscheidung könnten weitere Faktoren die kommende Woche bewegen:
- Eine erneute Beschleunigung der Inflation
- Eine dauerhafte Lösung im Iran-Konflikt
- Die Rückkehr von ETF-Zuflüssen
- Eine mögliche Wiedereinführung von US-Silberzöllen
- Erneute Sorgen um die fiskalische Nachhaltigkeit der USA oder die Unabhängigkeit der Fed
Schlägt die Fed am Mittwoch einen gemäßigten Ton an und bestätigen die Inflationsdaten den Abwärtstrend, könnte das dem Silberpreis in der neuen Woche zusätzlichen Auftrieb geben. Die strukturelle Angebotsknappheit und die hohe Industrienachfrage bleiben davon unabhängig als längerfristige Stützen bestehen.
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