Silber Preis: Fed-Sitzung 28./29. Juli als Wendepunkt

Der Silberpreis fällt auf 56,22 US-Dollar, während die Fed-Sitzung und Nahost-Konflikte die Märkte bewegen. Analysten sehen die fundamentale Angebotslücke jedoch unverändert.

Auf einen Blick:
  • Silber fällt 53,84 Prozent unter Rekordhoch
  • Fed-Zinsentscheidung im Juli im Fokus
  • Nahost-Spannungen belasten Edelmetallmärkte
  • Angebotsdefizit bleibt trotz Korrektur bestehen

Silber steckt in einer schweren Korrektur. Der Preis fiel am Freitag auf 56,22 US-Dollar, ganze 53,84 Prozent unter das Rekordhoch von Ende Januar. Jetzt steht eine Woche an, die über die nächste Richtung entscheiden könnte.

Im Zentrum steht die Zinssitzung der US-Notenbank am 28. und 29. Juli. Parallel dazu bleibt die Nahost-Krise ein Belastungsfaktor für den gesamten Edelmetallmarkt. Zwei Kräfte, ein Preis unter Druck.

Fed-Entscheidung im Fokus

Die Sitzung des Offenmarktausschusses ist der wichtigste Termin für Silberanleger in dieser Woche. Eine Hold-Entscheidung würde den Druck durch reale Renditen lindern. Eine Zinserhöhung würde ihn dagegen verlängern.

Die jüngsten Inflationsdaten sprechen eigentlich für Entspannung. Die Juni-Inflationsrate lag mit 3,5 Prozent im Jahresvergleich deutlich unter dem Mai-Wert von 4,2 Prozent. Es ist der erste monatliche Rückgang seit April 2020. Auch die Kerninflation gab nach, von 2,9 auf 2,6 Prozent.

Trotzdem bleibt die Lage unsicher. Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan hatte zuletzt eine Zinserhöhung gefordert. Der stellvertretende Fed-Vorsitzende Philip Jefferson signalisierte, eine straffere Politik zu unterstützen, falls sich die Inflation nicht rasch bessert. Die Märkte preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.

Nahost-Spannungen wirken diesmal anders

Die geopolitische Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt angespannt. Normalerweise würde das Edelmetalle stützen. Diesmal ist es umgekehrt: Ein rasanter Ölpreisanstieg, steigende US-Renditen und ein erstarkender Dollar dominieren das Marktgeschehen und drücken auf Gold und Silber.

Die Lage an der Straße von Hormus bleibt kritisch. US-Präsident Trump erklärte gegenüber dem Kongress, der Waffenstillstand sei vorbei. Die USA seien in den Krieg zurückgekehrt. Die iranische Revolutionsgarde drohte daraufhin mit Angriffen auf regionale Infrastruktur, Iran bat seine Huthi-Verbündeten im Jemen, die Rote-Meer-Ölroute zu blockieren.

Eine weitere Eskalation dürfte die Fed-Sitzung Ende Juli zusätzlich erschweren.

Lagerbestände erholen sich, Nachfrage bleibt hoch

Auf der Angebotsseite senden die COMEX-Lagerbestände gemischte Signale. Sie liegen aktuell bei 95,53 Millionen Unzen, dem höchsten Stand seit August 2025. Vom Rekordhoch aus dem September 2025 mit 201 Millionen Unzen ist der Markt aber weit entfernt.

Auch in China zeigt sich Knappheit. Die Shanghaier Silberprämie liegt bei 12 Prozent, während der COMEX-Spotpreis fällt. Das bedeutet: Chinesische Industriekäufer zahlen für Metall, das der Papiermarkt gerade als billig einstuft.

Die Fundamentaldaten bleiben unverändert angespannt. Der Markt verzeichnet das sechste Angebotsdefizit in Folge, mit einem Fehlbetrag von 46,3 Millionen Unzen. Der industrielle Nachfrageanteil liegt bei 58 Prozent. Analysten betonen: Die Korrektur hat den Preis verändert, nicht die These dahinter.

Chartbild zeigt überverkaufte Lage

Charttechnisch signalisiert der RSI von 34,6 eine überverkaufte Situation. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 67,22 US-Dollar, deutlich über dem aktuellen Kurs. Das zeigt: Der kurzfristige Abwärtstrend hat sich beschleunigt.

Neben der Fed-Sitzung stehen weitere Termine an. Dazu zählen US-Importpreise, Baubeginne, Industrieproduktion und die Verbraucherstimmung der University of Michigan. Zusätzlich beobachten Händler die Eurozonen-Inflation und die EZB-Zinsentscheidung am 23. Juli.

Zwei Ereignisse dürften die kommende Handelswoche prägen: die Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli und die weitere Entwicklung im Nahen Osten. Beide wirken über Zinsen, Dollar und Ölpreis auf den Silberkurs – auch wenn die fundamentale Angebotslücke am Markt unverändert bleibt.

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