Silber hat sich am Donnerstag deutlich erholt und ist über die Marke von 66 US-Dollar geklettert. Zum Handelsschluss stand der Preis bei 67,58 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vortag. Auslöser waren widersprüchliche Signale aus der US-Notenbank, die den Markt binnen weniger Tage zwischen Zinssorgen und Entspannung hin- und herschickten.
Fed-Kommentare als Preistreiber
New Yorks Fed-Präsident John Williams erklärte, die Inflation gehe weiter zurück, weil der Effekt der Zölle allmählich verblasse. Diese Aussage ließ Dollar und Treasury-Renditen nachgeben und stützte damit den Silberpreis, der von zinssensitiven Anlegern besonders genau beobachtet wird.
Tags darauf relativierte Fed-Gouverneur Christopher Waller diese Entspannung teilweise: Er signalisierte, dass die Notenbank bei entsprechenden August-Daten an einer Zinspause festhalten könnte.
Marktteilnehmer senkten daraufhin die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September von 62 auf rund 50 Prozent. Trotz dieser gemischten Lage blieb Silber unter gewissem Druck, konnte den Wochengewinn aber behaupten.
Die Gemengelage zeigt, wie stark der Silberpreis derzeit an der Zinserwartung hängt. Sinkende Realzinsen machen das zinslose Edelmetall attraktiver, während eine straffere Geldpolitik den gegenteiligen Effekt hätte.
Zusätzlich hatte zu Wochenbeginn die Eskalation im Nahen Osten die Anleger verunsichert: US-Truppen griffen eine Insel in der Straße von Hormus an, Iran reagierte mit Angriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien.
Die daraufhin gestiegenen Ölpreise schürten Inflationssorgen, was zeitweise für Rückenwind bei den Argumenten für eine straffere Fed-Politik sorgte und den Silberpreis belastete.
Staatsanleihen-Rückkäufe befeuerten August-Rally
Hinter der aktuellen Volatilität steht ein größerer Trend: Im August legte Silber um mehr als 15 Prozent zu. Grund war eine Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Liquiditätsunterstützung durch Rückkäufe längerfristiger Anleihen auszuweiten.
Ein solcher Schritt gilt am Markt als klassischer Abwertungs-Handel, der Edelmetalle als Absicherung gegen eine schwächere Währung attraktiver macht. Diese geldpolitische Komponente erklärt einen Teil der enormen Kursspanne, die Silber im laufenden Jahr durchlaufen hat.
Zur Einordnung: Im Januar hatte der Silberpreis mit über 121 US-Dollar je Unze ein Allzeithoch markiert, bevor eine scharfe Korrektur einsetzte. Aktuell notiert der Kurs rund 45 Prozent unter diesem Rekordniveau, liegt aber gut 65 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 41,06 US-Dollar, das genau vor einem Jahr erreicht wurde.
Der 50-Tage-Durchschnitt von 62,31 US-Dollar liegt inzwischen unter dem aktuellen Kurs, während der 200-Tage-Durchschnitt von 74,54 US-Dollar noch deutlich darüber thront – ein Hinweis darauf, dass sich die kurzfristige Erholung noch nicht in ein nachhaltig verändertes mittelfristiges Bild übersetzt hat.
Strukturelle Faktoren bleiben im Hintergrund
Neben den kurzfristigen Zins- und Geopolitik-Schwankungen wirken strukturelle Kräfte weiter auf den Markt. Rund 72 Prozent der weltweiten Silberförderung fallen als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Kupfer, Blei, Zink oder Gold an, was das Angebot unflexibel macht.
Neue Minenprojekte benötigen von der Entdeckung bis zur Produktion häufig zehn bis fünfzehn Jahre. Gleichzeitig hat sich die Nachfrageseite verschoben: Solarhersteller reduzieren systematisch den Silbereinsatz pro Zelle, während seit Januar geltende chinesische Exportbeschränkungen das globale Angebot zusätzlich einschränken könnten.
Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll – kurzfristig dominiert die Fed-Kommunikation das Geschehen, mittelfristig prägen strukturelle Angebotsfragen den Preis.
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