Die heutige Zinspause der Federal Reserve nimmt dem Silbermarkt das Zinsrisiko nicht. Die US-Notenbank ließ den Leitzins trotz anhaltend hoher Inflation unverändert. Lisa Cook und Beth Hammack stimmten jedoch für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Damit stehen den erwarteten Angebotsengpässen weiterhin geldpolitische Belastungen gegenüber.
Für Anleger kommt es deshalb nicht allein darauf an, ob weniger Silber verfügbar wird. Entscheidend ist auch, ob Inflation und Zinserwartungen die Nachfrage nach dem unverzinsten Edelmetall weiter bremsen.
Zinspause ist kein Entspannungssignal
Höhere Renditen und ein festerer Dollar gelten dabei als Belastungsfaktoren für Silber. Die heutige Entscheidung beseitigt diesen Zusammenhang nicht: Eine Zinssenkung blieb aus, während zwei Stimmen auf eine weitere Straffung drängten.
Der Silberpreis schloss heute bei 53,88 USD je Feinunze und verzeichnete mit -0,9% einen weiteren Tagesverlust. Eine nachhaltige Entlastung durch die unveränderten Leitzinsen lässt sich daraus nicht ablesen.
Den nächsten wichtigen Prüfstein liefert der für den 29. Oktober angekündigte PCE-Inflationsbericht für September. Die Veröffentlichung könnte die Erwartungen zum weiteren geldpolitischen Kurs verändern. Eine mögliche Zinserhöhung im Dezember bleibt dabei ein Thema der Marktberichte.
Angebotslücke stützt die längerfristige Perspektive
Auf der Angebotsseite zeichnet sich ein anderes Bild ab. Sucden Financial bezifferte am Montag die für 2026 erwartete Minenproduktion auf 844 Mio. Unzen. Das wären 0,3% weniger als im Vorjahr. Zugleich erwartet das Haus ein Marktdefizit von 46 Mio. Unzen.
Diese Prognose spricht für eine angespannte Versorgung, ist aber noch keine Garantie für steigende Preise. Sucden verwies außerdem auf sinkende registrierte COMEX-Bestände und begrenzte frei verfügbare Londoner Bestände. Damit richtet sich der Blick neben der Jahresproduktion auch auf die Verfügbarkeit vorhandenen Metalls.
Nach Daten der CME Group lagen gestern insgesamt 337,2 Mio. Feinunzen in zugelassenen Lagerhäusern. Davon entfielen 99,8 Mio. Feinunzen auf die Kategorie „registered“ und 237,4 Mio. Feinunzen auf „eligible“.
Nachfrage entscheidet über die Erholung
Das Angebotsargument steht zudem unter einem Nachfragevorbehalt. Reuters verwies am Montag auf Risiken aus der Solarbranche: Hersteller könnten den Silberverbrauch je Modul reduzieren oder Ersatzmaterialien einsetzen. Eine knappe Versorgung muss deshalb zusammen mit möglichen Einsparungen betrachtet werden.
UBS Global Wealth Management prognostizierte am Samstag einen Silberpreis von 70,00 US-Dollar je Unze bis Dezember 2026. Als Stützen nannte das Haus die Nachfrage durch KI-Infrastruktur und strukturelle Angebotsdefizite.
Die Einschätzung ist ausdrücklich mit Risiken verbunden. UBS verwies auf länger anhaltende Zinserhöhungen, eine globale Konjunkturabkühlung und industrielle Substitution. Für Silber bleibt die erwartete Angebotslücke damit ein längerfristiges Argument. Kurzfristig müssen jedoch die Inflationsdaten und die Nachfrageentwicklung eine Erholung tragen.
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