Der Iran-Krieg trifft Silber gleich doppelt. Steigende Energiepreise heizen die Inflation an — und zwingen Zentralbanken zum Handeln. Das belastet das zinslose Edelmetall erheblich.
EZB zieht als erste große Notenbank nach
Die Europäische Zentralbank erhöhte ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf einen Einlagensatz von 2,25 Prozent. Der Schritt kam als direkte Reaktion auf den durch den Iran-Krieg angetriebenen Inflationsdruck. Die EZB ist damit die erste große Zentralbank, die auf den Konflikt mit einer Zinserhöhung reagiert.
Die Euroraum-Inflation beschleunigte sich im Mai auf 3,2 Prozent. Haupttreiber: die weitgehend geschlossene Straße von Hormuz. Das liegt klar über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Die Notenbank senkte ihre Wachstumsprognose für den Euroraum auf 0,8 Prozent für 2026 — und verwies auf die Folgen des Krieges für Rohstoffmärkte und Realeinkommen.
US-Erzeugerpreise übertreffen Erwartungen
Aus den USA kam zeitgleich ein weiteres Inflationssignal. Die Erzeugerpreise stiegen im Mai um 6,5 Prozent im Jahresvergleich — der stärkste Anstieg seit November 2022. Ökonomen hatten im Schnitt 6,4 Prozent erwartet.
Im Monatsvergleich legten die Preise um 1,1 Prozent zu, statt der prognostizierten 0,7 Prozent. Mehr als die Hälfte dieses Anstiegs entfiel auf Benzin, das im Mai um 23,4 Prozent teurer wurde. Energiekosten insgesamt lagen 36,6 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Die Kernrate fiel moderater aus. Trotzdem dominiert am Markt die Sorge vor hartnäckiger Gesamtinflation — was den geldpolitischen Spielraum der Fed massiv einschränkt.
Silber zwischen Kriegsangst und Zinserwartung
Silber fiel auf rund 63 US-Dollar je Unze — den tiefsten Stand seit Dezember 2025. Kurz danach erholte sich der Preis auf über 64 US-Dollar. Auslöser: Das US-Militär meldete das Ende seiner jüngsten Angriffe auf Iran und weckte damit Hoffnungen auf Friedensverhandlungen.
Kein Wunder, dass die Erholung fragil blieb. Die Straße von Hormuz ist weiterhin nahezu vollständig gesperrt. Steigende Energiekosten treiben die Inflation — und die Erwartung weiterer Zinserhöhungen. Beides drückt auf nicht verzinsliche Edelmetalle wie Silber.
Am Vortag hatten bereits US-Verbraucherpreisdaten gezeigt, dass die Inflation so schnell steigt wie seit drei Jahren nicht mehr. Händler preisen mittlerweile mindestens eine Fed-Zinserhöhung in diesem Jahr ein. Die Fed-Sitzung findet nächste Woche statt — zusammen mit Treffen der Bank of Japan und der Bank of England. Erwartet wird, dass die Fed den Leitzins zunächst in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belässt. Entscheidend wird sein, wie aggressiv Fed-Chef Powell die nächsten Schritte signalisiert.
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