Silber notiert aktuell bei rund 57 US-Dollar je Feinunze. Das ist nahe dem tiefsten Stand seit Dezember 2025. Anleger warten auf die Zinsentscheidung der Federal Reserve.
Im Zentrum der Debatte steht aber etwas anderes: eine frische Studie zur globalen Angebotslage. Sie liefert überraschend gute Nachrichten für die Angebotsseite.
Silver Institute korrigiert Prognose nach unten
Der Silbermarkt bleibt angespannt. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage fällt 2026 aber kleiner aus als gedacht.
Der World Silver Survey 2026 des Silver Institute erwartet für dieses Jahr ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen. Das ist bereits das sechste Jahr in Folge mit einem Angebotsmangel. Metals Focus erstellte die Studie und veröffentlichte sie am Freitag.
Die neue Zahl liegt deutlich unter der vorherigen Schätzung von 67 Millionen Unzen. Grund dafür sind aktuellere Daten zu Minenproduktion, Recycling und Endverbrauch. Die grundlegende Botschaft bleibt trotzdem gleich: Strukturelle Defizite stützen den Preis langfristig. Kurzfristige Ausverkäufe bleiben aber möglich, sollten Finanzinvestoren ihre Positionen massenhaft auflösen.
Warum Minen kaum auf den Preis reagieren
Ein zentraler Grund für das Defizit liegt in der Struktur der Förderung selbst. Der Großteil des Silbers fällt als Nebenprodukt anderer Metallförderung an. Deshalb kann das Angebot kaum auf steigende Preise reagieren.
Reine Silberminen stellen nur etwa 28 Prozent der weltweiten Produktion. Der Rest stammt aus Gold-, Kupfer-, Blei- und Zinkbetrieben. Deren Betreiber fahren die Produktion nicht allein wegen höherer Silberpreise hoch.
Auch neue Projekte bringen kurzfristig keine Entlastung. Das Silver Institute erwartet für 2026 eine weitgehend unveränderte Minenproduktion weltweit. Betriebliche Probleme und sinkende Erzgehalte gleichen die Zusatzproduktion neuer Projekte aus. Hinzu kommt: Neue Primärsilberprojekte brauchen lange Vorlaufzeiten für Genehmigung, Finanzierung und Bau.
Recycling federt einen Teil der Lücke ab. Bei hohen Preisen verkaufen Besitzer von Silberschmuck und -waren zunehmend ihre Bestände.
Fed-Entscheidung und starker Dollar bremsen
Trotz der strukturellen Knappheit bestimmen aktuell makroökonomische Faktoren den Preis. Silber lag am Mittwoch nahe 57 Dollar, kaum verändert zum Vortag. Investoren warteten auf die geldpolitische Entscheidung der Fed.
Die Fed dürfte die Zinsen unverändert lassen. Die Märkte preisen dennoch eine rund 40-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Anhebung um 25 Basispunkte ein. Für September liegt diese Wahrscheinlichkeit sogar bei 80 Prozent.
Ein fester US-Dollar belastet die Notierungen zusätzlich. Vor der Zinsentscheidung zogen die Preise trotzdem leicht an. Anhaltende Knappheit am physischen Markt und geopolitische Risiken wirkten dem starken Dollar entgegen.
Der Markt bleibt damit gespalten. Kurzfristig bremsen Zinserwartungen und Dollarstärke. Langfristig stützt das strukturelle Defizit.
Mexiko und Peru als Schlüsselländer
Wenige Förderländer prägen die Angebotsseite maßgeblich. Mexiko gilt als weltgrößter Silberproduzent und steht damit im Zentrum der globalen Lieferkette. Selbst moderate Preisbewegungen wirken sich schnell auf Bergbaueinnahmen, Staatshaushalte und die Attraktivität des Peso aus.
Für die kommenden Wochen bleibt die Gemengelage entscheidend: revidierte Defizitzahlen, die Zinspolitik der Fed und die Rolle der großen Förderländer. Wie sich diese drei Kräfte gegeneinander ausbalancieren, dürfte die Richtung des Silberpreises bestimmen.
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