Der Silberpreis konsolidiert nach seiner August-Rallye auf hohem Niveau. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Feinunze bei 69,01 US-Dollar, ein Plus von 1,3 Prozent auf Tagessicht.
Auslöser der Bewegung war eine Entscheidung des US-Finanzministeriums: Die Behörde kündigte an, ihre Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen ab dem 9. September von 2 auf 4 Milliarden US-Dollar pro Operation zu verdoppeln. Die Aussicht auf zusätzliche Liquidität im Anleihemarkt beflügelte im August eine rund 20-prozentige Rallye, die Silber bis knapp an die 70-Dollar-Marke trug.
Geopolitik und Terminmärkte im Fokus
Neben der Geldpolitik richten Marktteilnehmer den Blick auf einen möglichen Frieden zwischen den USA und dem Iran samt einer damit verbundenen Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Ein solches Szenario könnte die Volatilität bei Edelmetallen spürbar dämpfen, da geopolitische Risikoprämien aus dem Preis weichen würden.
Auch an den Terminmärkten zeigt sich die Aufwärtsdynamik: Silber-Futures legten an der indischen Rohstoffbörse MCX um 4,52 Prozent auf 2,46 Lakh Rupien pro Kilogramm zu, wie der Analyst Jateen Trivedi von LKP Securities feststellte. Er rechnet mit einer Fortsetzung des Trends.
Untermauert wird die positive Stimmung durch den jüngsten Commitment-of-Traders-Bericht der CFTC. Zum Stichtag 18. August wiesen spekulative Marktteilnehmer der Kategorie „Managed Money“ eine Netto-Long-Position von 11.695 Kontrakten aus – ein Zuwachs von 537 Kontrakten binnen einer Woche. Spekulanten bauen ihre Wetten auf steigende Preise damit weiter aus, statt Gewinne mitzunehmen.
Konsolidierung nach dreiteiliger Korrektur
Technisch betrachtet hat der Markt nach Einschätzung des Analysten Ronald Gehrt von LYNX Broker eine dreiteilige Korrekturbewegung abgeschlossen, die seit dem Hoch bei rund 121 US-Dollar Ende Januar den Silberpreis belastet hatte. Die aktuelle Bodenbildung im Bereich der 200-Tage-Linie gilt als konstruktives Signal für die weitere Entwicklung.
Kitco Metals identifizierte zudem einen Ausbruch aus einem sogenannten Falling-Wedge-Muster; als nächste Widerstände gelten demnach die Marken bei 74 und 90 US-Dollar, während die Zone zwischen 60 und 63 US-Dollar als neue Unterstützung fungiert.
Auf der fundamentalen Seite bleibt die physische Nachfrage ein Treiber. In Indien wird Silber Medienberichten zufolge derzeit mit einem Aufschlag von rund 7 Prozent auf den Weltmarktpreis gehandelt. Für das vierte Quartal erwarten Marktbeobachter dort einen weiteren Nachfrageschub durch die dortige Fest- und Hochzeitssaison.
Die Analysten von Citi gehen zudem von einem anhaltenden strukturellen Angebotsdefizit am Silbermarkt bis 2027 aus, getrieben durch den industriellen Bedarf in Künstlicher Intelligenz, 5G-Technologie und Elektromobilität.
Konsolidierung im Bergbausektor
Auch auf Unternehmensseite tut sich etwas: Der Bergbaukonzern Bunker Hill übernahm das Explorationsportfolio von Silver47 mit Projekten in Alaska, Nevada und New Mexico. Die reine Aktientransaktion hat einen Wert von 163 Millionen US-Dollar und bündelt Explorationsflächen in einer Hand – ein Zeichen dafür, dass Produzenten angesichts der Preisentwicklung ihre Ressourcenbasis ausbauen wollen.
Mit einem Zuwachs von 15 Prozent binnen 30 Tagen bleibt die kurzfristige Dynamik intakt, auch wenn Silber auf Sicht von zwölf Monaten um 78 Prozent zugelegt hat und damit einen deutlich längeren Aufwärtszyklus durchläuft. Zwischen geldpolitischen Impulsen, geopolitischer Entspannungshoffnung und strukturellem Nachfragedruck bleibt der Silbermarkt damit in einer fragilen, aber insgesamt konstruktiven Balance.
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