Eine US-Seeblockade gegen den Iran startet heute Abend. Gleichzeitig warten Anleger auf frische US-Inflationsdaten. Der Silberpreis gerät zwischen diesen beiden Ereignissen massiv unter Druck.
Blockade der Straße von Hormus beginnt heute
Die Lage im Nahen Osten hat sich in den letzten 48 Stunden deutlich verschärft. US-Präsident Donald Trump kündigte eine Seeblockade gegen den Iran an. Sie tritt heute um 22:00 Uhr MESZ in Kraft.
Die Blockade soll Schiffen die Ein- und Ausfahrt in iranische Häfen verbieten. Zusätzlich plant die US-Regierung eine Gebühr von 20 Prozent des Frachtwertes für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus.
Diese Entwicklung stützt die Ölpreise. Silber reagiert dagegen empfindlich auf die damit verbundenen Inflationsrisiken. Investoren am Terminmarkt reduzieren ihre Risikobereitschaft, weil die Stabilität wichtiger Handelsrouten auf dem Spiel steht.
Fed-Kurs setzt Silber zusätzlich unter Druck
Neben der Geopolitik blicken Marktteilnehmer heute auf die US-Verbraucherpreisdaten für Juni. Sie wollen wissen, ob die Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh weiter auf Straffung setzt. Aktuell rechnen die Märkte mit 70 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung im September 2026.
Hohe Zinsen belasten Silber traditionell. Das Metall wirft keine laufenden Erträge ab, dadurch steigen die Opportunitätskosten für Anleger. Fed-Gouverneur Christopher Waller bekräftigte zuletzt seine restriktive Haltung.
Das stützte den Dollar. Ein starker Greenback verteuert das in Dollar gehandelte Silber für Käufer aus anderen Währungsräumen zusätzlich.
Preis fällt weiter, das Defizit bleibt
Silber notiert aktuell zwischen 58,50 und 60,30 US-Dollar pro Feinunze. Die Korrektur setzt sich damit fort, die nach dem Rekordhoch im Januar 2026 begonnen hat.
- Rekordhoch: Ende Januar 2026 erreichte Silber ein Allzeithoch von 121,78 US-Dollar.
- Korrektur: Vom Höchststand ist der Preis um rund 50,5 Prozent eingebrochen.
- Jahresbilanz: Seit Januar 2026 verzeichnet das Metall ein Minus von etwa 16,62 Prozent.
Trotz der Kursschwäche bleibt die fundamentale Lage angespannt. Das Silver Institute erwartet für 2026 eine Unterdeckung von 46,3 Millionen Unzen. Es wäre das sechste Defizitjahr in Folge.
Die Nachfrage aus der Solarindustrie sinkt zwar. Materialeinsparungen drücken den Bedarf dort um 19 Prozent auf 151 Millionen Unzen. Der Ausbau von KI-Rechenzentren treibt den Silberbedarf jedoch in die andere Richtung.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem auf der Angebotsseite. Rund 70 Prozent der Silberförderung fallen nur als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer oder Zink an. Das Angebot kann deshalb kaum flexibel auf die physische Knappheit reagieren.
Kurzfristig bestimmen Geopolitik und Zinserwartungen das Bild. Die heutigen US-Inflationsdaten dürften zeigen, wie stark die Fed am restriktiven Kurs festhält. Das strukturelle Angebotsdefizit bleibt davon unberührt und wirkt unabhängig von der Kursrichtung der kommenden Wochen.
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