Silber Preis: Achtmonatstief nach Iran-Eskalation

Der Silberpreis erreicht ein Achtmonatstief, belastet durch Dollarstärke, steigende Ölpreise und Zinserhöhungsspekulationen der Fed.

Auf einen Blick:
  • Silber fällt auf Achtmonatstief
  • Dollarstärke und Ölpreise belasten
  • Fed-Zinserhöhung rückt näher
  • Angebotsdefizit stützt langfristig

Am 16. Juli fiel das Edelmetall nach Angaben von FXStreet deutlich zurück und markierte laut BullionVault ein Achtmonatstief. Auslöser war eine Mischung aus einem erstarkenden Dollar, steigenden Ölpreisen und neu aufgeflammten Spekulationen über eine Zinserhöhung der US-Notenbank.

Nahost-Konflikt und Fed-Erwartungen drücken auf den Kurs

Seit sechs Nächten fliegt die US-Luftwaffe Angriffe auf iranische Ziele, während Teheran mit Raketen auf US-Stützpunkte in Jordanien reagiert, berichtet Channel NewsAsia. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist nach Angaben mehrerer Nachrichtenagenturen weitgehend zum Erliegen gekommen, zusätzlich droht Iran mit einer Sperrung der Meerenge Bab al-Mandeb. Als Folge zog der Ölpreis kräftig an: WTI notierte laut Energy News bei knapp 79,40 Dollar je Barrel, Brent lag nach anderen Berichten bei rund 86 Dollar.

Steigende Energiepreise nähren die Sorge vor neuer Inflation und damit die Fantasie auf eine straffere Geldpolitik. Fed-Vize Jefferson erklärte laut MarketScreener, die Notenbank könnte die Zinsen anheben müssen, sollte sich der Preisdruck durch den Nahost-Konflikt und höhere Energiekosten nicht bald abschwächen. Logan von der Dallas Fed sieht zwar aktuell keinen lohngetriebenen Inflationsdruck, plädierte aber ebenfalls für einen moderat höheren Leitzins, um Risiken abzufedern. Ein stärkerer Dollar verteuert zinslos gehaltene Edelmetalle tendenziell und belastete den Silberkurs zusätzlich. Auch Gold geriet unter Druck und fiel nach übereinstimmenden Berichten erstmals seit Monaten unter die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze. Charttechnisch bleibt das Bild laut FXStreet bärisch: Silber notiert unter den gleitenden 50-, 100- und 200-Tage-Durchschnitten, was auf anhaltenden Abwärtsdruck hindeutet.

Angebotsdefizit und Gold-Silber-Ratio als Gegengewicht

Trotz der kurzfristigen Schwäche bleibt die strukturelle Angebotslage angespannt. Nach einer Analyse von discoveryalert.com.au dürfte der globale Silbermarkt 2026 zum sechsten Mal in Folge ein Defizit aufweisen, diesmal in Höhe von 46,3 Millionen Feinunzen. Das Verhältnis von Gold- zu Silberpreis kletterte im Zuge des jüngsten Ausverkaufs auf rund 70 zu 1, historisch war die Kennziffer nur im März 2020 mit 127 zu 1 deutlich höher. JPMorgan kalkuliert laut discoveryalert.com.au bis Jahresende mit 81 Dollar je Feinunze, die London Bullion Market Association mit 79,57 Dollar.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die laufende Jahresüberprüfung des USMCA-Abkommens, die Anfang Juli begann. Die USA lehnten laut IndexBox und FXEmpire eine 16-jährige Verlängerung ab. Das ist heikel für den Silbermarkt, weil Mexiko mit 172,9 Millionen Feinunzen im Jahr 2025 rund ein Fünftel der weltweiten Förderung stellt. Parallel steht eine Entscheidung über mögliche Zölle auf Kupfer aus, ein Bericht dazu war Ende Juni fällig, ein Zollsatz von 15 Prozent könnte ab Januar 2027 greifen. Die Kupferbestände an der COMEX sind laut IndexBox bereits von 80.000 auf 650.000 Tonnen gestiegen, ein Indiz dafür, dass sich Marktteilnehmer auf regulatorische Eingriffe vorbereiten.

Minenprojekte treiben künftiges Angebot voran

Auf der Angebotsseite kommen einzelne Produzenten trotz der schwierigen Marktlage voran. Aya Gold & Silver meldete bis Mitte Juli 102.111 Bohrmeter im laufenden Jahr, das Jahresziel liegt bei 180.000 Metern. Am Boumadine-Projekt läuft die Machbarkeitsstudie planmäßig, eine aktualisierte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 folgen, die vollständige Machbarkeitsstudie erst 2027. Für die geplante Tagebau-Anlage läuft bereits die Auftragnehmer-Vorauswahl, ein Baupartner soll bis Jahresende feststehen.

In Alaska nahm Valhalla Metals die Bohrungen am hochgradigen Sun-Projekt wieder auf, nachdem das Unternehmen im Juni eine Finanzierung über 15 Millionen kanadische Dollar abgeschlossen hatte. Die dortige Ressource weist unter anderem 60 Gramm Silber pro Tonne aus, das benachbarte Smucker-Projekt kommt sogar auf 164 Gramm pro Tonne.

Im Bergbausektor selbst zeigte sich die Schwäche des Silberpreises deutlich: Vizsla Silver zählte am 16. Juli zu den schwächeren nordamerikanischen Silberwerten. Das Unternehmen hatte sich im Mai eine Kreditfazilität über 173 Millionen mexikanische Pesos für laufende Kosten am Panuco-Projekt gesichert, eine im Vergleich zum Gesamtprojekt begrenzte Ergänzungsfinanzierung, keine grundlegend neue Projektfinanzierung.

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