Silber Preis: 87-Prozent-Importeinbruch in Indien

Silber verliert über vier Prozent und rutscht auf 62 Dollar. Starker Dollar und drastisch gesunkene Importe aus Indien setzen dem Edelmetall massiv zu.

Auf einen Blick:
  • Tagesverlust von mehr als vier Prozent
  • US-Dollar auf Jahreshoch gestiegen
  • Indiens Silberimporte um 87 Prozent eingebrochen
  • KI-Infrastruktur als neue Nachfragequelle

Silber bricht ein. Das Edelmetall verliert am Dienstag mehr als vier Prozent und notiert bei rund 62 US-Dollar je Feinunze — nur knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 60 Dollar. Hinter dem Rücksetzer stecken zwei Kräfte: eine restriktive US-Notenbank und ein dramatischer Nachfrageeinbruch aus Indien.

Fed-Kurs und starker Dollar setzen Silber unter Druck

Der US-Dollar kletterte auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr. Auslöser sind wachsende Erwartungen, dass die Federal Reserve unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh die Zinsen länger hoch hält. Die Inflation liegt bei 4,2 Prozent — Spielraum für Lockerungen sieht der Markt kaum.

Für Silber ist das ein Problem. Das Metall wirft keine Zinsen ab. Steigen die Renditen bei US-Staatsanleihen, verliert Silber im Vergleich an Attraktivität. Kapital fließt aus Edelmetall-ETFs ab.

Indiens Importeinbruch trifft den Kernmarkt

Schwerwiegender noch: Indien, der weltweit zweitgrößte Silberkonsument, kauft kaum noch. Die Regierung hat die Einfuhrzölle auf Silber auf effektiv 15 Prozent angehoben — und ruft gleichzeitig zu weniger Edelmetallkäufen auf.

Die Folge: Indiens Silberimporte fielen im Mai um 87 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 76 Millionen US-Dollar. Beim Volumen war der Einbruch noch drastischer — minus 94 Prozent auf nur 33 metrische Tonnen. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als drei Jahren.

KI-Nachfrage als neuer Anker

Trotz des Preisdrucks gibt es eine strukturelle Gegenbewegung. Die Solarbranche hat ihren Silberverbrauch pro Einheit um rund 19 Prozent gesenkt. Neu hinzu kommt aber die KI-Infrastruktur: Rechenzentren brauchen Silber für Hochleistungs-Leiterplatten und Wärmemanagement-Systeme.

Branchenexperten erwarten, dass dieser Bereich die Verluste im Photovoltaik-Sektor teilweise ausgleicht. Das globale Angebotsdefizit soll 2026 rund 46 Millionen Unzen erreichen — das wäre das sechste Defizitjahr in Folge.

Charttechnik: 60-Dollar-Marke entscheidet

Der RSI liegt bei etwa 34,6 — überverkauft, aber noch kein klares Kaufsignal. Die Zone um 60 US-Dollar ist der entscheidende Pivot. Hält sie nicht, sehen Analysten Abwärtspotenzial bis 55 oder sogar 53 Dollar. Nach oben wirkt der 200-Tage-Durchschnitt bei rund 69 Dollar als starker Widerstand. Solange der Dollar stark bleibt und Indien nicht zurückkehrt, bleibt der Druck auf der Unterseite.

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