Der Silberpreis bewegte sich am Freitag zwischen 75 und 76 Dollar je Feinunze — und das hatte wenig mit Minen oder Nachfrage zu tun. Entscheidend war ein geopolitisches Signal aus dem Persischen Golf: USA und Iran verhandeln über eine 60-Tage-Verlängerung der Waffenruhe und die Wiederöffnung der Straße von Hormus. Eine finale Entscheidung aus Washington blieb zunächst aus.
US-Vizepräsident JD Vance sprach laut Axios von einem nahen Abkommen. AP meldete parallel, Präsident Trump habe nach einer Sitzung im Situation Room noch keine endgültige Freigabe erteilt. Für den Edelmetallmarkt bedeutete das: keine klare Richtung. Der Schlusskurs lag bei 75,83 Dollar, ein Minus von 0,50 Prozent zum Vortag.
Gegenläufige Kräfte bremsen Anschlussrally
Silber steckt in einem Zielkonflikt. Ein schwächerer Dollar stützt den Preis, weil das Metall international in US-Währung bewertet wird. Eine Entspannung im Nahen Osten senkt gleichzeitig die Krisenprämie — Anleger brauchen weniger Absicherung. Diese gegenläufigen Impulse erklären, warum der Markt am Freitag stabil blieb, aber keine Dynamik entwickelte.
Über 30 Tage legte Silber 5,95 Prozent zu, seit Jahresbeginn sind es 4,93 Prozent. Das klingt solide. Vom 52-Wochen-Hoch bei 116,89 Dollar Ende Januar ist der Kurs allerdings 35 Prozent entfernt. Trading Economics meldete am 28. Mai einen Rückgang auf 72,15 Dollar — den niedrigsten Stand seit April. Die jüngste Erholung bleibt fragil.
Industrielle Nachfrage im Schatten der Geopolitik
Rund die Hälfte der weltweiten Silbernachfrage stammt aus industriellen Anwendungen, so WisdomTree Anfang Mai. Das macht den Rohstoff anfällig für Konjunktur- und Lieferkettenstörungen. Eine Wiederöffnung der Straße von Hormus könnte Energie- und Transportkosten senken — und damit Inflations- sowie Wachstumserwartungen beeinflussen.
Genau dieser Mechanismus hält den Markt in der Schwebe. Solange Washington keine finale Bestätigung liefert, bleibt Silber zwischen Dollar-Schwäche, sinkender Krisenprämie und vorsichtigem Risikoappetit gefangen. Der RSI liegt bei 58,9 — neutral, aber ohne Überhitzungssignal. Die Volatilität von 55,53 Prozent über 30 Tage zeigt, wie nervös der Markt bleibt.
Die nächste Bewegung dürfte nicht aus dem Silbermarkt selbst kommen. Sie hängt davon ab, ob Washington und Teheran das Memorandum unterschreiben — und ob die Straße von Hormus tatsächlich wieder frei wird.
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