Silber Preis: 71,81 Dollar — Drei-Wochen-Tief

Trotz geopolitischer Krisen verliert Silber an Wert, da der Dollar als sicherer Hafen dominiert und Zinserwartungen steigen.

Auf einen Blick:
  • Silberkurs unter 74 Dollar gefallen
  • Starker Dollar belastet Edelmetall
  • Angebotslücke bleibt langfristig bullisch
  • Technische Indikatoren zeigen Abwärtstrend

Der US-Dollar schlägt Silber — auch in der Krise. Trotz eskalierender Spannungen im Nahen Osten fiel das Edelmetall am Donnerstag unter die 74-Dollar-Marke. Investoren wählen den Greenback als sicheren Hafen, nicht das Metall.

Dollar und Zinsfantasie drücken den Preis

Silber notiert aktuell bei rund 73,20 Dollar je Feinunze — ein Minus von etwa 1,5 Prozent. In der Spitze rutschte der Kurs auf 71,81 Dollar, das tiefste Niveau seit drei Wochen.

Auslöser waren Berichte über US-Militärschläge gegen iranische Ziele. Das klingt nach Rückenwind für Edelmetalle. Der Effekt war jedoch der gegenteilige: Die Sorge vor steigenden Energiepreisen nährt neue Inflationsängste. Das wiederum stützt die Erwartung, dass die Federal Reserve die Zinsen länger hochhält. Unverzinstes Silber verliert dabei gegenüber dem Dollar.

Der US-Dollar-Index notiert nahe seinem Wochenhoch bei 99,28 Punkten. Hawkische Töne aus der Fed verstärken den Druck. Notenbanker betonten zuletzt, angesichts von Handelskonflikten und geopolitischen Risiken bleibe eine restriktive Geldpolitik vorerst angemessen.

Fundamentaldaten bleiben bullisch — kurzfristig hilft das wenig

Das physische Marktumfeld erzählt eine andere Geschichte. Laut dem World Silver Survey 2026 steuert der Markt auf das sechste Defizitjahr in Folge zu. Für 2026 prognostizieren die Analysten eine Angebotslücke von 46,3 Millionen Feinunzen — 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die oberirdischen Lagerbestände sind seit 2021 kumuliert um 762 Millionen Unzen gesunken. Das stützt das langfristige Preisgefüge. Kurzfristig zieht die Industrie allerdings nicht mit: Der Silberverbrauch aus Halbleiter- und KI-Anwendungen wächst, die schwächelnde Photovoltaik-Nachfrage bremst jedoch. Für 2026 erwarten Analysten einen Rückgang des industriellen Verbrauchs um rund 3 Prozent auf etwa 639,6 Millionen Unzen.

Charttechnik zeigt weiteres Abwärtspotenzial

Der Bruch unter 74 Dollar zog technische Verkäufe nach sich. Silber fiel dabei unter den 50-Tage- und den 100-Tage-Durchschnitt. Der RSI liegt unter 50 — das Momentum gehört den Verkäufern.

Nächste Unterstützung liegt bei 71,22 Dollar. Hält diese Zone nicht, rückt die psychologische Marke von 70 Dollar in den Blick. Auf der Oberseite gilt 75 Dollar als erster Widerstand, danach der Bereich um 76 Dollar.

Den nächsten Impuls liefern die US-PCE-Inflationsdaten. Fallen sie höher als erwartet aus, sinkt die Wahrscheinlichkeit baldiger Zinssenkungen weiter — und Silber gerät erneut unter Druck.

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