Silber kämpft um die zweite Etappe seines Comebacks. Nach dem Sprung über 65 Dollar Mitte August bremst der Markt jetzt ab. Die entscheidende Frage: Reicht die Kraft für den nächsten Sprung Richtung 70 Dollar?
Konsolidierung nach starkem Lauf
Der Silberpreis schloss am Freitag bei 64,83 US-Dollar je Unze, ein Plus von 0,3 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 1,6 Prozent zu Buche.
Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt die eigentliche Stärke. Silber legte in diesem Zeitraum um 15 Prozent zu.
Zuvor war der Kurs deutlich gestiegen. Anfang der Woche erreichte Silber rund 66,79 US-Dollar, den höchsten Stand seit dem 22. Juni. Jetzt nehmen Investoren angesichts des geldpolitischen Ausblicks und der Lage im Nahen Osten Gewinne mit.
Zinserwartungen treiben den Preis
Die Erwartungen an die US-Notenbank haben sich in wenigen Wochen deutlich gedreht. Vor einem Monat lag die Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September noch bei 75 Prozent. Mittlerweile sind es nur noch 35 Prozent.
Auch für das Gesamtjahr sank die Erwartung. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung fiel von 90 auf 70 Prozent.
Diese Neubewertung stützt Silber. Sinkende Renditeerwartungen machen unverzinste Anlagen wie Edelmetalle attraktiver. Für die kommenden Wochen rückt nun der PCE-Preisindex in den Fokus. Die US-Notenbank veröffentlicht die Daten am 26. August, kurz vor dem Jackson-Hole-Symposium.
Der Dollar-Index steht dabei an einem kritischen Punkt. Er bewegt sich um die Marke von 100 Punkten und könnte in beide Richtungen kippen. Die Anleiherenditen kommen bislang nicht zur Ruhe, das belastet Edelmetalle zusätzlich.
Angebot und ETF-Nachfrage im Blick
Auf der Angebotsseite fällt ein Trend aus China auf. Chinesische Importe von silberhaltigen Erzen stiegen im Juni gegenüber dem Vorjahr um 62,5 Prozent auf 219.000 Tonnen.
Auch die ETF-Bestände erholen sich. Die globalen Silber-ETF-Bestände liegen aktuell bei 797 Millionen Unzen. Gegenüber dem Zyklustief vom 14. Juli ist das ein Plus von 2 Prozent.
Im laufenden Jahr liegen die Bestände trotzdem über 7 Prozent im Minus. Seit Beginn des Iran-Konflikts Ende Februar beträgt der Rückgang 4 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den COMEX-Lagerbeständen. Sie liegen bei 99 Millionen Unzen, ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Zyklustief im April.
Gegenüber dem Rekordhoch von 201 Millionen Unzen im September des Vorjahres fehlen aber immer noch mehr als 50 Prozent.
Charttechnik: Der Weg zur 70-Dollar-Marke
Charttechnisch bleibt 70 US-Dollar die Schlüsselmarke. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 60,75 US-Dollar, gut 6,7 Prozent unter dem aktuellen Kurs.
Der 200-Tage-Durchschnitt notiert deutlich höher, bei 75,18 US-Dollar. Silber liegt damit rund 14 Prozent unter diesem langfristigen Trend.
Der RSI steht bei 60,4 Punkten. Das signalisiert weder eine Überkaufung noch eine Überverkaufung. Spielraum nach oben bleibt also.
Gelingt der Sprung über 70 Dollar, öffnet sich der Weg Richtung 80 Dollar.
Auf der Unterseite gilt die Zone zwischen 54,5 und 50 US-Dollar als zentrale Unterstützung. Fällt der Kurs darunter, wird eine Neubewertung der gesamten Trendwende nötig.
Der 26. August markiert damit den nächsten wichtigen Termin. Der PCE-Preisindex und das anschließende Jackson-Hole-Symposium dürften die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben.
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