Silber Preis: 60 Dollar im August angepeilt

Silber legt dank möglicher Hormus-Einigung zu. Das sechste Defizitjahr in Folge und schrumpfende Lager stützen die mittelfristigen Preisaussichten.

Auf einen Blick:
  • Preiserholung durch Hormus-Diplomatie
  • Sechstes Jahr mit Silberdefizit
  • Anleger-Nachfrage nach Münzen steigt
  • Analysten sehen Kurspotenzial bis 72 Dollar

Silber hat sich am Dienstag deutlich von seinen jüngsten Rücksetzern erholt. Auslöser war die Aussicht auf eine diplomatische Lösung für die Straße von Hormus, die parallel den Ölpreis unter Druck setzte und Anleger in Edelmetalle trieb. Gleichzeitig rückt eine fundamentale Nachricht wieder in den Fokus: Das globale Silberdefizit wächst weiter, und Analysten sehen mittelfristig deutlich höhere Notierungen als aktuell.

Hoffnung auf Hormus-Lösung bewegt die Märkte

US-Finanzminister Bessent erklärte am Dienstag, eine Einigung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus sei „heute oder morgen“ möglich – nach anderen Angaben soll ein Deal bis zum heutigen Mittwoch stehen. Katar meldete weit fortgeschrittene Vermittlungsgespräche zwischen den USA und dem Iran, auch wenn direkte Verhandlungen bislang ausblieben. Iran brachte einen Rundkurs mit Oman ins Spiel, der eine Route außerhalb der drei bestehenden Schifffahrtskorridore vorsieht – vor Kriegsbeginn flossen rund 20 Prozent des weltweiten Öls durch die Straße.

Die Lage vor Ort bleibt allerdings angespannt. Am Dienstag wurde ein Frachter etwa 37 Kilometer nordöstlich von Al Chasab von einem unbekannten Geschoss getroffen. Am Montag passierten nur neun Schiffe die Meerenge, gegenüber einem Wochenschnitt von 16. Das US-Verteidigungsministerium äußerte laut Berichten Vorbehalte gegen die von Diplomaten skizzierte Lösung. Diese Mischung aus Hoffnung und fortgesetzter Eskalation ließ den Ölpreis am Dienstag deutlich nachgeben, was wiederum die Zinserwartungen dämpfte und Silber zusammen mit Gold spürbar zulegen ließ.

Strukturelles Defizit stützt den Markt langfristig

Unabhängig von der Nahost-Diplomatie bleibt die fundamentale Angebotslage für Silber angespannt. Der World Silver Survey 2026 weist für das laufende Jahr ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen aus – nach 40,3 Millionen im Vorjahr und damit das sechste Defizitjahr in Folge. Seit 2021 summiert sich der Bestandsabbau auf 762 Millionen Unzen. Die weltweite Nachfrage soll 2026 bei 1.112,6 Millionen Unzen liegen, das Angebot bei 1.066,4 Millionen – beide Werte rückläufig gegenüber dem Vorjahr um jeweils rund zwei Prozent.

Innerhalb der Nachfrage zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Industrienachfrage sank um drei Prozent auf 639,6 Millionen Unzen, der Schmucksektor gab ebenfalls nach auf 159,4 Millionen Unzen. Dagegen legte die Nachfrage nach Münzen und Barren um 18 Prozent zu – ein Hinweis darauf, dass Privatanleger die Unsicherheit an den Märkten zum Aufbau physischer Bestände nutzen. Die sichtbaren Lagerbestände sind laut Marktbeobachtungen von rund 525 Millionen Unzen Ende 2025 auf etwa 313 Millionen im Frühjahr 2026 geschrumpft. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern werden mehr als 70 Prozent der weltweiten Silberproduktion lediglich als Nebenprodukt anderer Metallförderung gewonnen, was die Angebotsseite strukturell unflexibel macht – das Angebotswachstum für 2026 wird auf lediglich rund 1,5 Prozent geschätzt.

Analysten uneins über kurzfristige Richtung

Die CPM Group rechnet damit, dass Silber im August die Marke von 60 US-Dollar testet, hält einen vorübergehenden Rückgang unter 56 US-Dollar im Laufe des Monats aber für möglich. Für die letzten vier Monate des Jahres zeigt sich das Analysehaus konstruktiver gestimmt. Der Analyst Klejdi Cuni sieht nach einem Ausbruch aus einem fallenden Keil-Muster Kursziele bei 60,60 und 62,80 US-Dollar. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwarten Analysten im Durchschnitt einen Silberpreis von 71,90 US-Dollar – deutlich über dem aktuellen Niveau, aber noch klar unterhalb des Rekordhochs von 121,62 US-Dollar, das Ende Januar erreicht wurde.

Für Anleger bleibt Silber damit ein Markt zwischen kurzfristiger Geopolitik-Volatilität und einer mittelfristig angespannten Angebotslage. Die Entwicklung an der Straße von Hormus dürfte in den kommenden Tagen richtungsweisend für Öl- und damit indirekt auch für Edelmetallpreise bleiben, während das strukturelle Defizit dem Silberpreis auf Sicht mehrerer Monate Unterstützung verleiht.

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