Der Silberpreis notiert am Donnerstag bei 67,06 US-Dollar je Feinunze und damit nahe seinem höchsten Stand seit rund zwei Monaten. Auslöser der Rally ist eine Entscheidung des US-Finanzministeriums, die am Mittwoch die Anleihemärkte und in der Folge die Edelmetalle aufgemischt hat.
Treasury greift durch, Renditen fallen
Das US-Finanzministerium hat angekündigt, ab dem 9. September das Rückkaufvolumen für langlaufende Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren von 2 auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation zu verdoppeln. Das Programm läuft bis zum 4. November.
Zuvor waren die Renditen der 30-jährigen Anleihen auf den höchsten Stand seit rund 19 Jahren geklettert, in einzelnen Meldungen war sogar vom höchsten Niveau seit 2007 die Rede. Nach der Ankündigung von Finanzminister Scott Bessent fiel die 30-jährige Rendite um rund 9 Basispunkte auf 5,184 Prozent, die zehnjährige gab rund 5 Basispunkte auf 4,6427 Prozent nach.
Die Reaktion an den Devisenmärkten fiel deutlich aus: Der Dollar-Index sackte auf ein Dreimonatstief bei knapp unter 99 Punkten ab. Ein schwächerer Dollar verbilligt Silber und Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums und macht die zinslosen Edelmetalle gegenüber Anleihen relativ attraktiver, wenn deren Renditen sinken. Genau diese Gemengelage trieb am Mittwoch beide Metalle nach oben.
Silber legte am Mittwoch nach vorliegenden Handelsdaten um rund 5,8 Prozent zu und kletterte über die Marke von 65 US-Dollar. Am Donnerstag hält sich der Preis mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent bei 67,06 US-Dollar auf diesem erhöhten Niveau. Gold zog im selben Zeitraum auf bis zu 4.525,79 US-Dollar je Unze und damit auf den höchsten Stand seit Anfang Juni.
Fed-Protokoll sorgt für Gegenwind
Dass die Rally trotz eines eigentlich restriktiven Signals der US-Notenbank zustande kam, gibt der Bewegung zusätzliches Gewicht. Das veröffentlichte Fed-Protokoll zeigte, dass mehrere Notenbanker im Sommer für eine Zinserhöhung plädiert hatten, sollte die Inflation nicht in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels sinken.
Laut CME FedWatch rechnen Marktteilnehmer aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 67 Prozent für eine Zinspause im September, während knapp ein Drittel weiterhin eine Erhöhung für möglich hält.
Normalerweise würden steigende Zinserwartungen zinslose Edelmetalle belasten – dass Silber und Gold dennoch zulegten, unterstreicht, wie stark der Eingriff des Finanzministeriums die Marktstimmung dominiert hat.
Minenwerte springen mit an
Die Kursbewegung bei Silber strahlte direkt auf Förderunternehmen aus. Wheaton Precious Metals gewann am Mittwoch rund 9 Prozent und näherte sich damit einem Jahreshoch, First Majestic Silver kletterte um mehr als 12 Prozent auf 20,85 US-Dollar. Auch bei Goldminen war die Reaktion deutlich: Newmont stieg um knapp 8 Prozent, Barrick um mehr als 7 Prozent.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Ein möglicherweise restriktiverer Zinskurs der Fed steht einer historisch hohen US-Verschuldung von mittlerweile über 40 Billionen US-Dollar gegenüber, die Bank of America und J.P. Morgan als Risikofaktor benannt haben. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Zinssorgen und Staatsverschuldung dürfte die Richtung bei Silber in den kommenden Wochen bestimmen.
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