Eskalierende Spannungen am Golf, heiße Inflationsdaten aus den USA und eine Leitzinsanhebung der EZB. Auf dem Papier ist das eine toxische Mischung für zinslose Anlagen. Dennoch hält sich der Silberpreis robust über der Marke von 67 US-Dollar. Die negativen makroökonomischen Nachrichten scheinen im Markt bereits verarbeitet.
Inflationsdruck zwingt Notenbanken zum Handeln
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag reagiert. Sie hob den Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,25 Prozent an. Damit stemmt sich die EZB gegen die steigende Teuerung. Im Mai kletterte die Euroraum-Inflation auf 3,2 Prozent. Haupttreiber ist die weitgehend blockierte Straße von Hormuz.
Parallel dazu melden die USA alarmierende Daten. Die Erzeugerpreise stiegen im Mai um 6,5 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs seit knapp vier Jahren. Auch hier treiben die gestörten Lieferketten im Nahen Osten die Energiekosten in die Höhe. Händler preisen nun eine Fed-Zinserhöhung im Dezember vollständig ein.
Militärische Spannungen stützen kaum
Geopolitische Krisen treiben Edelmetalle oft an. Aktuell dämpfen jedoch diplomatische Bemühungen diesen Effekt. US-Streitkräfte schossen zuletzt zwei iranische Drohnen über kommerziellen Schiffen ab. Präsident Trump sagte geplante Vergeltungsschläge gegen die iranische Energieinfrastruktur ab. Er stellte stattdessen ein baldiges Friedensabkommen in Aussicht.
Der Silberpreis reagierte am Freitag mit leichten Abgaben und notiert bei rund 67 US-Dollar je Feinunze. Dass der Kurs nicht stärker einbricht, werten Marktbeobachter als Signal der Stärke.
Physischer Mangel als Preisboden
Die wahre Stütze des Marktes liegt in der physischen Knappheit. Das Silver Institute erwartet für 2026 ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen. Es wäre das sechste Jahr in Folge, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt.
Die Lagerbestände schmelzen rasant. An der COMEX fielen die Reserven von 531 Millionen Unzen im Oktober 2025 auf nur noch rund 315 Millionen Unzen. Kurz gesagt: ein massiver Schwund. Dieser strukturelle Mangel begrenzt den Spielraum für stärkere Kursverluste nach unten.
Blick auf die Fed
Kommende Woche liefert die FOMC-Sitzung der US-Notenbank den nächsten Impuls. Die Währungshüter müssen bewerten, ob die energiegetriebene Inflation einen restriktiveren Kurs erfordert. Das dürfte spannend werden.
Analysten der LBMA rechnen im laufenden Jahr im Schnitt mit einem Preis von 79,57 US-Dollar je Feinunze. Die Spanne der Prognosen unterstreicht die aktuelle Unsicherheit. Die Analysten rufen Kursziele zwischen 42 und 165 Dollar aus.
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