Silber springt am Freitag auf den höchsten Stand seit sechs Wochen. Der Kurs legt um rund 4,16 Prozent zu und steht im Vormittagshandel bei etwa 64,10 US-Dollar. Grund ist die Erwartung der US-Arbeitsmarktdaten, die später am Tag veröffentlicht werden.
Wichtige Marke im Visier
Der Silber-Future testet am Freitag die Widerstandsmarke bei 62,65 US-Dollar. Zeitweise überschreitet er sie sogar. Damit setzt sich die starke Wochenperformance fort.
Analysten nennen eine klare Bedingung für die nächste Etappe. Erst ein Tagesschlusskurs über 66,20 US-Dollar würde den mittelfristigen Abwärtstrend brechen. Dann öffnet sich der Weg Richtung 68 bis 71 US-Dollar.
Bei der Nachfrage zeigt sich derzeit ein Auseinanderdriften zweier Anlegergruppen. Institutionelle Investoren agieren bei physisch hinterlegten Silber-ETFs zurückhaltend. Privatanleger kaufen dagegen verstärkt.
Die Nachfrage nach Münzen und Barren wächst laut Branchendaten um etwa 18 Prozent. Dieser Trend finanziert einen Teil des aktuellen Kursanstiegs mit.
Der Arbeitsmarkt entscheidet
Im Zentrum steht der US-Arbeitsmarktbericht für Juli. Ökonomen erwarten im Konsens nur 80.000 neue Stellen. Das wäre schwach.
Fällt der Bericht noch schwächer aus, dürfte die Fed-Debatte über Zinssenkungen an Fahrt gewinnen. Ein Dollar unter Druck würde Silber zusätzlich stützen. Denn das Edelmetall wird in Dollar gehandelt und profitiert von einer schwächeren US-Währung.
Geopolitische Unsicherheit spielt ebenfalls eine Rolle. Zwar gibt es einzelne Signale einer Entspannung in wichtigen Schifffahrtsregionen. Die grundlegende Nervosität an den Rohstoffmärkten bleibt aber bestehen.
Ein strukturelles Problem, kein Strohfeuer
Hinter der aktuellen Rallye steckt mehr als kurzfristige Zinsspekulation. Der World Silver Survey 2026 rechnet für dieses Jahr mit einem Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen. Es wäre bereits das sechste Jahr in Folge, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt.
In der Solarbranche sinkt der Silbereinsatz pro Modul zwar schrittweise. Neue Verbraucher gleichen diesen Effekt aber teilweise aus. Der Ausbau der KI-Infrastruktur und die wachsende Elektromobilität sorgen für stabile industrielle Nachfrage.
Jedes Elektrofahrzeug benötigt zwischen 25 und 50 Gramm Silber. Bei steigenden Produktionszahlen in der Autoindustrie wird das zu einer wichtigen Nachfragesäule.
Ein Blick auf das Gold-Silber-Verhältnis liefert zusätzlichen Kontext. Es notiert aktuell bei etwa 69:1 – nahe dem historischen 50-Jahres-Durchschnitt. Die Marke von 66,20 US-Dollar bleibt damit die entscheidende Hürde für den weiteren Kursverlauf.
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