Silber gehört zu den Gewinnern des Monats an den Rohstoffmärkten. Laut Saxo Bank entwickelten sich Edelmetalle, angeführt von Silber, Gold und Platin, im August mit einem Sektor-Plus von rund 15 Prozent zum stärksten Rohstoffsegment. Anleger zogen sich demnach vor der Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Kevin Warsh aus Energiewerten zurück und setzten verstärkt auf Edelmetalle.
Am Donnerstag zog der Silberpreis um 2,9 Prozent an und schloss bei 70,06 US-Dollar je Feinunze. Auf Monatssicht steht damit ein Plus von 21 Prozent zu Buche – ein deutliches Signal dafür, wie stark sich das Kapital in den vergangenen Wochen in Richtung des Edelmetalls verschoben hat.
Strukturelles Defizit als Treiber
Hinter der Rally steht aus Sicht mehrerer Analysten mehr als reine Zinsspekulation. Citigroup-Analysten prognostizierten am 14. August ein anhaltendes strukturelles Defizit am Silbermarkt bis mindestens 2027, gestützt durch den Bedarf in den Sektoren Künstliche Intelligenz, 5G-Infrastruktur und Elektromobilität.
Der World Silver Survey 2025 des Silver Institute hatte für das Kalenderjahr 2024 bereits ein globales Marktdefizit von 148,9 Millionen Unzen ausgewiesen, bei einer Industrienachfrage auf Rekordniveau von 680,5 Millionen Unzen.
Diese fundamentale Knappheit spiegelt sich auch in den Positionierungsdaten am Terminmarkt. Der Commitments-of-Traders-Bericht der CFTC für die Woche zum 18. August zeigte für die Kategorie „Managed Money“ einen Anstieg der Netto-Long-Positionen bei Silber-Futures um 537 Kontrakte auf insgesamt 11.695 Kontrakte. Spekulative Anleger bauen ihre Wetten auf steigende Preise damit weiter aus, wenn auch moderat.
Gold-Silber-Verhältnis signalisiert Aufholpotenzial
Ein Blick auf das Verhältnis zwischen Gold und Silber liefert zusätzlichen Kontext. Nach Angaben von The Vault Report notierte die Ratio am 21. August bei rund 68 zu 1, basierend auf einem Silberpreis von etwa 69 US-Dollar und einem Goldpreis von 4.662 US-Dollar je Feinunze.
Historisch gilt ein derart hohes Verhältnis oft als Hinweis darauf, dass Silber im Vergleich zu Gold unterbewertet ist – ein Argument, das Silber-Bullen seit Monaten anführen.
Auch bei Produzenten zeigt sich die positive Grundstimmung. Desjardins hob am Donnerstag das Kursziel für den Silber- und Goldproduzenten Aya Gold & Silver von 38 auf 55 kanadische Dollar an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Die Aktie erreichte daraufhin ein neues 52-Wochen-Hoch – ein Beleg dafür, dass die Aufwärtsdynamik nicht nur den Metallpreis selbst, sondern auch die Bewertungen entlang der Wertschöpfungskette erfasst.
Ausblick bleibt konstruktiv
Trotz der jüngsten Gewinne bleibt der Silberpreis seit Jahresbeginn nahezu unverändert, was die enorme Schwankungsbreite der vergangenen Monate unterstreicht. Für die kommenden Wochen dürfte die Rede von Fed-Chef Warsh in Jackson Hole richtungsweisend sein.
Fällt sie zinssenkungsfreundlich aus, könnte dies der Rally weiteren Schub verleihen – zumal die strukturelle Angebotsknappheit laut mehreren Analysehäusern über das laufende Jahr hinaus Bestand haben dürfte.
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