Silber Preis: 18 Prozent Monatsverlust durch Zinserwartungen

Mehrere US-Notenbanker fordern straffere Geldpolitik und setzen das zinslose Edelmetall massiv unter Druck.

Auf einen Blick:
  • Silber fällt um über 4 Prozent
  • Fed-Vertreter fordern Zinserhöhungen
  • Wirtschaftsdaten liefern uneinheitliches Bild
  • Geopolitische Spannungen belasten zusätzlich

Silber rutscht auf den tiefsten Stand seit Ende November 2025. Der Grund liegt nicht im Metall selbst, sondern in Washington: Gleich mehrere Notenbanker fordern eine straffere Geldpolitik. Für ein zinsloses Anlagemetall wie Silber ist das Gift.

Am Freitag fiel der Kurs um über 4 Prozent auf rund 55,77 Dollar je Unze. Auf Wochensicht steht ein Minus von 7,45 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar fast 18 Prozent. Der RSI von 33 signalisiert eine überverkaufte Lage — ein Hinweis darauf, dass der Ausverkauf zuletzt schnell ging.

Falkenhafte Fed-Vertreter setzen den Ton

Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan fordert offen eine Zinserhöhung. Fed-Vizechef Philip Jefferson unterstützt eine straffere Politik, sollte sich die Inflation kurzfristig nicht bessern. Beide Aussagen verstärken den Gegenwind für Silber.

Die Märkte taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September derzeit auf etwa 51 Prozent. Für Juli gilt eine Anhebung dagegen als unwahrscheinlich. Schwächer als erwartete Inflationsdaten hatten diese Erwartung gedämpft — trotz des Bekenntnisses von Fed-Chef Kevin Warsh, die Inflation entschlossen zu bekämpfen.

Widersprüchliche Wirtschaftsdaten

Die aktuellen US-Daten geben kein klares Bild ab. Im Juni sanken sowohl Verbraucher- als auch Erzeugerpreise, vor allem wegen niedrigerer Energiekosten. Die Importpreise stiegen dagegen unerwartet an.

Diese Divergenz erschwert der Fed eine klare Kommunikation. Genau diese Unsicherheit schlägt sich in der hohen Schwankungsbreite des Silberpreises nieder. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 46 Prozent annualisiert — ein deutliches Zeichen für die Nervosität am Markt.

Hinzu kommt geopolitische Anspannung. Die USA griffen in dieser Woche mehrfach den Iran an. Präsident Trump warnte, in der kommenden Woche könnte auch iranische Infrastruktur ins Visier geraten, sollten diplomatische Bemühungen scheitern. Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Nachbarländern — die Sorge vor einer weiteren Eskalation und längeren Störungen der Energieversorgung wächst.

Gespaltene Erwartungen belasten weiter

Am Markt herrscht keine Einigkeit darüber, wie die Fed im September entscheidet. Diese Unsicherheit hält das zinslose Edelmetall unter Druck. Der aktuelle Fall zeigt exemplarisch, wie sensibel Silber auf geldpolitische Kommunikation reagiert — deutlich stärker als viele andere Rohstoffe.

Strukturelle Angebotsengpässe am Silbermarkt bleiben zwar ein Thema für Marktbeobachter. Kurzfristig überlagert die restriktive Zinsrhetorik der Fed diese fundamentalen Faktoren jedoch vollständig.

Die kommende Woche dürfte weitere US-Wirtschaftsdaten und neue Wortmeldungen von Fed-Vertretern bringen. Beides könnte Aufschluss darüber geben, wie wahrscheinlich eine Zinserhöhung im September tatsächlich ist.

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