Silber Preis: 165 Prozent KI-Rechenzentrum-Boom

Silber verliert an Wert, doch KI-Rechenzentren treiben die Nachfrage. Das schmelzende Angebotsdefizit und die US-Geldpolitik belasten die Kurse.

Auf einen Blick:
  • Silberpreis fällt auf 75,46 Dollar
  • KI-Rechenzentren als neuer Nachfragetreiber
  • Angebotsdefizit schrumpft auf 73 Mio. Unzen
  • Fed-Protokolle deuten auf harte Linie hin

Starke Zukunftsaussichten, schwache Kurse. Silber-Futures gaben am Donnerstag im frühen Handel auf 75,46 US-Dollar nach. Damit verliert das Edelmetall rund 12 Dollar gegenüber der Vorwoche. Der jüngste Preisrutsch überdeckt allerdings eine massive fundamentale Verschiebung.

KI-Rechenzentren verdrängen Photovoltaik

Der Markt blickt aktuell gebannt auf den Solarsektor. Hier schrumpft der Bedarf spürbar. Hersteller reduzieren den Silberanteil pro Modul systematisch. Im kommenden Jahr erwarten Experten einen Nachfragerückgang in der Photovoltaik um 19 Prozent.

Auch andere klassische Abnehmer schwächeln. Die Schmuckindustrie verzeichnet ein Minus von neun Prozent. Der Silberwarenverbrauch bricht sogar um 17 Prozent ein. Die Folge: ein schmelzendes Defizit.

Parallel dazu baut sich ein neuer Treiber auf. KI-Rechenzentren benötigen extrem viel Strom. Gewöhnliche Server-Racks verbrauchen 10 bis 15 Kilowatt.

KI-Trainings-Racks ziehen dagegen 60 bis 130 Kilowatt aus dem Netz. Diese enormen Lasten erfordern spezialisierte Schaltkomponenten. Silber bietet die höchste elektrische und thermische Leitfähigkeit aller Metalle. Es kühlt und vernetzt die Systeme zuverlässig.

Goldman Sachs prognostiziert bis 2030 ein Wachstum des Strombedarfs von Rechenzentren um 165 Prozent. Das Silver Institute sieht hierin den wichtigsten künftigen Industriemotor.

Schmelzendes Defizit bremst Euphorie

Grundsätzlich bleibt der Markt angespannt. Seit sechs Jahren übersteigt die Nachfrage das Angebot. In dieser Zeit schmolzen die weltweiten Lagerbestände um fast 762 Millionen Unzen ab.

Die Analysten von HSBC warnen jedoch vor übertriebenem Optimismus. Das globale Angebotsdefizit schrumpft rasant. Fiel im vergangenen Jahr noch eine Lücke von 143 Millionen Unzen an, sinkt dieser Wert spürbar.

Für 2026 erwarten die Experten nur noch ein Unterangebot von 73 Millionen Unzen. Diese Entwicklung deckelt die Fantasie der Anleger. Im Januar markierte Silber noch ein Allzeithoch von 121,64 Dollar. Seitdem sucht der Markt nach einem neuen Boden.

Kurzfristige Impulse lieferte zuletzt die Geopolitik. Ein Treffen zwischen US-Präsident Trump und Chinas Führung stützte die Kurse Mitte Mai. Aktuelle Berichte über eine mögliche Einigung im US-Iran-Konflikt trieben den Silberpreis am Mittwoch auf über 76 Dollar.

Notenbanken geben den Takt vor

Das makroökonomische Umfeld bleibt schwierig. Protokolle der US-Notenbank Fed vom April zeigen eine harte Linie. Viele Entscheidungsträger halten weitere Zinserhöhungen für nötig, falls die Inflation über der Zielmarke von zwei Prozent verharrt.

Händler preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent für einen Zinsschritt im Dezember ein. Am 16. und 17. Juni liefert die Fed mit ihrem neuen Zinsausblick konkrete Fakten. Bestätigt die Notenbank ihre Zinspause, dürfte Silber bis in den Herbst hinein konsolidieren. Ein Signal für baldige Zinssenkungen würde den Kursen hingegen neuen Spielraum geben.

Die Analysten der London Bullion Market Association rechnen für 2026 mit einem Durchschnittspreis von 79,57 Dollar je Feinunze. Die Spanne der Einzelprognosen reicht dabei von 42 bis 165 Dollar. Diese extrem weite Divergenz markiert das unsichere Marktumfeld präzise.

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