Silber hat sich zum Wochenschluss ein Stück weit von den Verlusten der vergangenen Monate erholt. Am Freitag schloss das Edelmetall bei 59,27 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 2,36 Prozent gegenüber dem Vortag. Die kurzfristige Erleichterung ändert wenig am großen Bild: Seit Jahresbeginn steht für Silber weiterhin ein Minus von 16,48 Prozent zu Buche.
Fed-Entscheid als Belastungsfaktor
Auslöser der jüngsten Nervosität am Edelmetallmarkt war die Zinsentscheidung der US-Notenbank vom 29. Juli. Die Federal Reserve beließ den Leitzins zum siebten Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent, allerdings fiel das Votum mit 9:3 keineswegs einstimmig aus. Die drei Abweichler Lorie Logan, Beth Hammack und Neel Kashkari sprachen sich offen für eine Zinserhöhung aus – Logan begründete ihre Position damit, dass die Inflation über dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank verharrt, zuletzt lag die PCE-Rate im Juni bei 3,7 Prozent. Der Markt preist inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 65 Prozent für eine Zinsanhebung im September ein. Steigende Realzinsen erhöhen die Opportunitätskosten für zinslose Edelmetalle wie Silber und Gold und hatten den Silberpreis zuvor unter Druck gesetzt – Ende Juli notierte das Metall laut Marktbeobachtern noch im Konsolidierungsbereich über 55 Dollar, belastet von steigenden US-Renditen und der restriktiven Fed-Rhetorik.
Die Turbulenzen reichen weiter zurück: Mitte Mai hatte Silber binnen eines Handelstages zeitweise rund neun Prozent verloren und war unter die Marke von 76 Dollar gerutscht, ausgelöst durch die gleiche Gemengelage aus Zinserhöhungsängsten und einem festen Dollar. Auch Gold geriet damals mit einem Rückgang von mehr als zwei Prozent in Mitleidenschaft. Dass Silber seither einen erheblichen Teil seines Wertes eingebüßt hat, zeigt sich am Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 121,78 US-Dollar, das Ende Januar markiert wurde – von diesem Niveau ist das Metall inzwischen weit entfernt. Gleichzeitig liegt der aktuelle Kurs klar über dem 52-Wochen-Tief von 45,51 Dollar aus Ende Oktober, was die extreme Schwankungsbreite des laufenden Zyklus unterstreicht.
Physische Nachfrage trifft auf skeptische Wetten
Trotz der Kursverluste sehen manche Marktteilnehmer in dem Rücksetzer eine Kaufgelegenheit. Tarek Saab, Chef von Texas Precious Metals, verwies auf anhaltende Zentralbankkäufe als Treiber der übergeordneten Rallye und auf eine steigende Nachfrage von Privatanlegern. Sein Unternehmen läutete am Freitag als zehnter ETF-Emittent des Jahres die Schlussglocke an der Nasdaq – ein Signal für das wachsende institutionelle Interesse an physisch hinterlegten Edelmetall-Produkten, auch wenn ein Großteil des ETF-Metalls derzeit noch im Ausland lagert.
Auf der anderen Seite blieb die Stimmung an spekulativen Wettmärkten verhalten: Eine Prognosewette auf der Plattform Orrery, ob Silber im Juli die Marke von 66 US-Dollar erreicht, wurde zuletzt nur mit einer Wahrscheinlichkeit von vier Prozent gehandelt – ein Hinweis darauf, dass Trader kurzfristig kaum mit einer kräftigen Erholung rechneten. Analysten von Swiss Resource Capital verorteten zudem einen technischen Widerstand für Silber im Bereich von knapp 59 Dollar, während im Silberminensektor operative Fortschritte sichtbar wurden: GoGold Resources meldete für das dritte Quartal eine um 21 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegene Produktion von 477.464 Unzen Silberäquivalent.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich. Die kurzfristige Erholung vom Freitag liefert ein positives Signal, doch die Abhängigkeit von der weiteren Zinspolitik der Fed dürfte die Volatilität in den kommenden Wochen hoch halten. Die Entscheidung über eine mögliche Zinserhöhung im September wird damit zum nächsten wichtigen Prüfstein für den Silberpreis.
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