Silber hat am Dienstag seine 100-Tage-Durchschnittslinie zurückerobert und damit ein wichtiges technisches Signal geliefert. Der Kurs schloss am Montag bei 68,97 US-Dollar je Feinunze, nahezu unverändert zum Vortag. Nach einem Dreitagestief hat sich das Edelmetall stabilisiert und richtet den Blick nun auf die Marke von 70 Dollar.
Der Rücksetzer der vergangenen Handelstage erweist sich damit als vorübergehend. Laut FXStreet hatte Silber im Zuge der jüngsten Korrektur ein Tief markiert, bevor der Durchbruch über den 100-Tage-Durchschnitt bei 67,48 US-Dollar die Erholung einleitete.
Ein bullisch verlaufender RSI stützt das kurzfristige Bild, auch wenn der 200-Tage-Durchschnitt bei 74,93 US-Dollar als nächste größere Hürde gilt – aktuell notiert der Kurs noch 8,0 Prozent darunter.
Makroumfeld bleibt entscheidend
Die Richtung am Silbermarkt hängt derzeit stark von der US-Geldpolitik ab. Der Dollar-Index rutschte am Dienstag unter die Marke von 99,00 Punkten, nachdem Fed-Vertreter ohne Stimmrecht zwar lauter für eine Zinserhöhung plädiert hatten, der Markt diese Rufe aber weitgehend ignorierte.
Die Wahrscheinlichkeit für eine September-Erhöhung fiel Analysten zufolge von rund zwei Dritteln auf etwa ein Drittel. Ein schwächerer Dollar wirkt tendenziell stützend für Edelmetalle, da sie für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger werden.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht in dieser Woche Fed-Chef Warsh, der am Freitag in Jackson Hole sprechen wird. Analysten von BofA warnen, dass die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen auf 5,5 Prozent steigen könnte, sollte Warsh das Inflationsthema nicht adressieren.
Zugleich hat das US-Finanzministerium sein Anleihe-Rückkaufprogramm ab dem 9. September auf mindestens vier Milliarden Dollar pro Operation verdoppelt – ein Schritt, den der Investor Stanley Druckenmiller scharf als reines „Preismanagement“ kritisierte. Auch am Mittwoch stehen mit den PCE-Daten wichtige Inflationszahlen an, die die Zinserwartungen weiter verschieben könnten.
Charttechnik zeigt beide Seiten
Nicht alle technischen Einschätzungen fallen so optimistisch aus wie jene rund um die 100-Tage-Linie. Eine Elliott-Wellen-Analyse sieht Silber seit seinem Rekordhoch von rund 121,6 Dollar Ende Januar in einer laufenden Korrekturbewegung.
Demnach befindet sich der Markt in der abschließenden Welle einer fünfteiligen Abwärtsstruktur, die laut dieser Lesart theoretisch bis auf ein Ziel von 38,8 Dollar führen könnte – solange der Kurs unter der Marke von 63,3 Dollar bleibt, seien Erholungsrallyes demnach nur begrenzt tragfähig.
Diese Divergenz zwischen kurzfristig bullischen Signalen und langfristig skeptischeren Wellenzählungen spiegelt die Nervosität wider, die den gesamten Edelmetallsektor derzeit prägt.
Mit einem Plus von 77 Prozent auf Zwölfmonatssicht bleibt Silber trotz der jüngsten Schwankungen eines der auffälligsten Edelmetalle des Jahres, auch wenn der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 121,78 US-Dollar mit 43 Prozent beträchtlich ist.
Anleger dürften die kommenden Tage rund um die PCE-Daten und die Rede von Warsh in Jackson Hole daher genau beobachten, um zu sehen, ob die Rückeroberung der 100-Tage-Linie tatsächlich der Auftakt zu einem Test der 70-Dollar-Marke wird.
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