Silber: 10-Prozent-Wochensturz vor Juni-Inflationsdaten

Der Silberpreis fällt um über acht Prozent auf 68 Dollar. Zinsentscheid der Fed und Inflationsdaten bestimmen die weitere Richtung.

Auf einen Blick:
  • Kursrutsch um mehr als acht Prozent
  • Fed-Zinsentscheid Mitte Juni im Fokus
  • Angebotsdefizit stützt den Markt
  • KI-Boom treibt industrielle Nachfrage

Der Silberpreis erlebt einen massiven Ausverkauf. Am Freitag brach der Kurs um über acht Prozent ein und rutschte auf 67,96 US-Dollar je Feinunze ab. Damit summiert sich der Wochenverlust auf mehr als zehn Prozent.

Für das Edelmetall beginnt nun eine entscheidende Phase. Mehrere makroökonomische Termine dürften die Richtung vorgeben. Das zentrale Ereignis ist der Zinsentscheid der US-Notenbank Mitte Juni.

Inflation bremst Zinshoffnungen

Die Fed hält den Leitzins bislang stabil zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Eine hartnäckige Inflation dämpft Hoffnungen auf baldige Senkungen.

Am 10. Juni stehen die US-Verbraucherpreise auf der Agenda. Einen Tag später folgen der Erzeugerpreisindex und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Diese Daten liefern wichtige Signale für das anstehende Notenbanktreffen.

Silber wirft keine Zinsen ab. Die Folge: Steigende Anleiherenditen belasten den Kurs. Marktexperten sehen die kurzfristige Preisentwicklung stark von diesen Zinstrends abhängig. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten sorgen zusätzlich für Nervosität am Markt.

Industrie im Wandel

Fundamental stützt die Angebotslage den Markt. Das Silver Institute rechnet für das laufende Jahr mit dem sechsten Angebotsdefizit in Folge. Der Fehlbetrag soll bei rund 46 Millionen Unzen liegen. Parallel dazu sinkt das Gesamtangebot leicht.

Bei der industriellen Nachfrage zeigt sich ein klarer Wandel. Der Solarsektor benötigt weniger Silber. Hersteller wie Longi Green Energy ersetzen das Edelmetall zunehmend durch Kupfer. Der Bedarf der Photovoltaik-Industrie dürfte auf rund 151 Millionen Unzen fallen.

Im Gegenzug treibt der Ausbau der Künstlichen Intelligenz den Verbrauch an. Rechenzentren und KI-Infrastruktur benötigen immer mehr von dem Edelmetall. Die Nachfrage in diesem Segment wächst jährlich um bis zu 25 Prozent.

Banken uneins beim Preisziel

Die großen Investmentbanken bewerten die Aussichten unterschiedlich. J.P. Morgan erwartet einen durchschnittlichen Jahrespreis von 81 US-Dollar.

UBS zeigt sich pessimistischer. Die Schweizer Bank senkte ihr Ziel für das Jahresende auf 80 Dollar.

Goldman Sachs positioniert sich deutlich optimistischer. Die Analysten prognostizieren einen Durchschnittspreis zwischen 85 und 100 US-Dollar. Sie verweisen dabei auf die starke industrielle Nachfrage.

Vom Jahreshoch im Januar ist Silber mittlerweile weit entfernt. Der Kurs rutschte zuletzt deutlich unter die 100-Tage-Linie. Charttechnisch stützen nun Marken im Bereich von 50 und 60 US-Dollar.

Die US-Inflationsdaten am 10. Juni liefern den nächsten konkreten Impuls. Fallen die Verbraucherpreise höher aus als erwartet, droht dem Edelmetall weiterer Verkaufsdruck.

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