Bernd Montag, Chef von Siemens Healthineers, hat einer klaren Positionierung im KI-Wettlauf der Medizintechnik eine Absage erteilt. „Wir brauchen keine KI-Strategie“, sagte er in einem am Wochenende veröffentlichten Interview. Künstliche Intelligenz sei für sein Unternehmen kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das der besseren Medizin dienen müsse.
Fokus auf Krebs, Herz-Kreislauf und Schlaganfall
Statt milliardenschwerer KI-Investitionen um ihrer selbst willen setzt Montag auf konkrete medizinische Anwendungsfelder: Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden und Schlaganfälle stehen im Zentrum der Entwicklungsarbeit.
Der Ansatz laute, gute Daten zu nutzen statt Geld in Technologie um jeden Preis zu stecken. Damit positioniert sich der Konzern bewusst gegen die in der Tech-Branche verbreitete Praxis, KI-Fähigkeiten als eigenständiges strategisches Ziel auszurufen.
Diese Zurückhaltung fällt in eine Zeit, in der Investitionen in KI-Infrastruktur branchenübergreifend eskalieren – etwa durch angekündigte Preiserhöhungen von Nvidia für seine Server-Chips ab 2027. Siemens Healthineers wählt hier einen betont pragmatischen Gegenentwurf: Die Technologie soll dem medizinischen Nutzen folgen, nicht umgekehrt.
Das Unternehmen selbst ist seit 2021 im DAX notiert, beschäftigt rund 75.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als 23 Milliarden Euro. Diese Größenordnung verschafft Montag den Spielraum, KI-Anwendungen selektiv und anwendungsgetrieben einzuführen, statt sich in einen ressourcenintensiven Technologiewettlauf zu begeben.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse löste die Aussage keine unmittelbare Bewegung aus. Die Aktie schloss am Freitag bei 39,97 Euro, ein Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen hat das Papier deutlich zugelegt und liegt inzwischen rund 15 Prozent höher – ein Hinweis darauf, dass Anleger die strategische Neuausrichtung des Konzerns bereits zuvor honoriert haben, etwa im Zuge der zuletzt verbesserten Analystenurteile.
Zum bisherigen Jahreshoch von 49,78 Euro, erreicht Ende Oktober vergangenen Jahres, fehlen der Aktie aktuell rund 20 Prozent. Der jüngste Kursanstieg der vergangenen Wochen zeigt jedoch, dass sich die Stimmung gegenüber dem Tief im Frühjahr merklich aufgehellt hat.
Für Anleger bleibt die Aussage Montags vor allem eine Botschaft der Kontinuität: Statt sich von KI-Hype-Zyklen treiben zu lassen, setzt Siemens Healthineers auf seine etablierten Kernkompetenzen in der Diagnostik und Bildgebung. Ob sich dieser konservativere Ansatz langfristig als Vorteil erweist, während Wettbewerber massiv in KI-Fähigkeiten investieren, dürfte sich erst in den kommenden Geschäftsjahren zeigen.
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