Drei große Banken bestätigen kurz vor dem Quartalsbericht ihre Kaufempfehlung für Siemens Energy. Der Konzern hatte sich in Vorab-Telefonkonferenzen optimistisch geäußert. Nun wächst die Erwartung, dass die Zahlen am 5. August diesen Optimismus bestätigen.
Die Aktie schloss am Freitag bei 150,70 Euro. Das liegt knapp 23 Prozent unter dem Rekordhoch von 195,54 Euro aus dem April. Auf Jahressicht steht trotzdem ein Plus von gut 25 Prozent zu Buche.
Drei Banken, ein Bild
Jefferies bestätigt sein „Buy“ und ein Kursziel von 215 Euro. Der Konzern habe sich optimistischer zum globalen Gasturbinen-Geschäft geäußert. Auch die Nachfrage nach Netztechnik reiße nicht ab, besonders in den USA ziehe sie spürbar an.
Die UBS rechnet für das dritte Quartal mit einem Auftragseingang zwei Prozent über dem Marktkonsens. Bei Gas Services sehen die Analysten einen Vorsprung von fünf Prozent, bei Grid Technologies von sieben Prozent. Ein freier Cashflow von rund zwei Milliarden Euro könnte den Konzern zudem dazu bewegen, das geplante Rückkaufvolumen von sechs Milliarden Euro noch zu erhöhen.
Mitte Juli hatte die UBS ihr Kursziel bereits um 35 Euro auf 210 Euro angehoben. Die Aktie reagierte prompt: An einem einzelnen Handelstag legte sie um 3,4 Prozent zu und führte den DAX an. UBS-Analyst Christopher Leonard sieht das Wachstum noch lange nicht am Ende. Er rechnet auch für das kommende Jahr mit steigenden Auftragseingängen.
Die Bank blickt sogar über das Jahr 2030 hinaus. Rund 70 Prozent des operativen Ergebnisses stammen aus dem Servicegeschäft für Gasturbinen und der Netztechnik. Beide Bereiche könnten das Konzernergebnis zwischen 2030 und 2034 jährlich um durchschnittlich fünf Prozent steigern.
Die USA als Wachstumsmotor
Der amerikanische Markt bleibt der wichtigste Hebel für Siemens Energy. Der Strombedarf in den USA wächst so schnell wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Haupttreiber ist der Boom bei Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz.
Siemens Energy reagiert mit Investitionen. Der Konzern steckt eine Milliarde US-Dollar in den Ausbau seiner amerikanischen Fertigung. In den kommenden Jahren sollen dort 1.500 neue Stellen entstehen. Im vergangenen Geschäftsjahr kamen bereits 29 Prozent aller Aufträge aus den USA.
Die Aktie reagiert allerdings empfindlich auf Branchennews. Als Wettbewerber GE Vernova zuletzt einen enttäuschenden Ausblick vorlegte, färbte das zeitweise auch auf Siemens Energy ab.
Charttechnisch neutral, fundamental gespannt
Der Titel notiert derzeit rund sechs Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 160,19 Euro. Der RSI von 45 zeigt eine neutrale Marktlage, weder überkauft noch überverkauft. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 52 Prozent bleibt aber genug Spielraum für kräftige Ausschläge – gerade jetzt, vor dem Zahlentermin.
Die kommende Handelswoche dürfte deshalb vor allem eine Woche der Positionierung sein. Bestätigt der Bericht am 5. August die optimistischen Vorab-Signale zu Aufträgen und Marge, könnte das die seit April andauernde Konsolidierung beenden. Bleiben die erhofften positiven Überraschungen aus, trifft das auf eine Erwartungshaltung, die zuletzt spürbar gestiegen ist.
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