Siemens Energy hat gemeinsam mit dem Netzbetreiber TenneT in Deutschland eine neuartige Technologie zur Stabilisierung von Stromnetzen entwickelt. Der sogenannte E-STATCOM soll ein Problem lösen, das mit dem Ausbau erneuerbarer Energien immer wichtiger wird: den Verlust natürlicher Netzstabilität durch die Stilllegung von Kohle- und Kernkraftwerken.
Siemens Energy-Aktie: Künstliche Trägheit ersetzt klassische Kraftwerke
Über Jahrzehnte sorgten die großen Turbinen konventioneller Kraftwerke nicht nur für Stromerzeugung, sondern auch für Stabilität im Netz. Ihre rotierenden Massen wirkten wie ein natürlicher Puffer bei plötzlichen Schwankungen von Angebot und Nachfrage. Wind- und Solaranlagen können diese Funktion nicht in gleicher Weise übernehmen.
Der neue E-STATCOM soll diese Stabilisierung nun elektronisch nachbilden. Herzstück der Anlage sind Superkondensatoren, die innerhalb von Millisekunden Energie bereitstellen oder aufnehmen können. Dadurch entsteht eine sogenannte künstliche Trägheit, die hilft, die Netzfrequenz auf dem erforderlichen Niveau von 50 Hertz zu halten. Gleichzeitig stabilisiert das System auch die Netzspannung.
Siemens Energy-Aktie: Projekt in Mehrum als Vorbild für künftige Stromnetze
Die weltweit erste Anlage dieser Art wurde in Mehrum in Niedersachsen errichtet, auf dem Gelände eines stillgelegten Kohlekraftwerks. Nach Angaben von Siemens Energy handelt es sich um den ersten E-STATCOM mit Superkondensatoren in dieser Konfiguration weltweit. Das System basiert auf der Technologie SVC PLUS FS und kombiniert schnelle Spannungsregelung mit Frequenzstabilisierung.
TenneT geht davon aus, dass allein in Deutschland künftig rund 30 vergleichbare Anlagen benötigt werden könnten, um die Folgen des Ausstiegs aus fossilen Kraftwerken auszugleichen. Bereits heute soll das Projekt internationales Interesse unter anderem aus Nordamerika und Australien geweckt haben.
Das Projekt unterstreicht die Chancen von Siemens Energy beim Umbau der Strominfrastruktur. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien wächst weltweit der Bedarf an Technologien für Netzstabilität. E-STATCOM-Systeme liefern wichtige Netzdienstleistungen, die bislang von Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerken erbracht wurden. Gelingt die breite Einführung solcher Lösungen, könnte daraus ein langfristig wachsender Markt für Siemens Energy entstehen.
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