Bei Siemens Energy wächst laut einem Bericht des „Handelsblatts“ die Sorge vor einer neuen Belastungsprobe im Windgeschäft. Mehrere geplante Offshore-Windparks vor der deutschen Nord- und Ostseeküste stehen wegen hoher Kosten, gestiegener Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit auf der Kippe. Für Anlagenbauer wie Siemens Energy und Vestas könnten dadurch milliardenschwere Aufträge ausbleiben.
Siemens Energy-Aktie: 50 Milliarden Euro stehen auf dem Spiel
Im Mittelpunkt stehen dem „Handelsblatt“ zufolge Projekte mit insgesamt 16 Gigawatt geplanter Leistung. Nach Angaben des Bundesverbands Windenergie Offshore geht es um ein Gesamtvolumen von rund 50 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Aktuell sind vor Deutschlands Küsten Offshore-Anlagen mit 10,8 Gigawatt Leistung in Betrieb.
Die problematischen Flächen wurden 2023 versteigert. BP und TotalEnergies boten gemeinsam 12,6 Mrd. Euro für entsprechende Zuschläge. Inzwischen entscheidet BP noch über das weitere Vorgehen, während TotalEnergies versucht, seine Flächen zurückzugeben. Nach aktueller Rechtslage ist eine freiwillige Rückgabe allerdings nicht vorgesehen.
Siemens Energy-Aktie: Bruch warnt vor Auftragslücke
Siemens-Energy-Chef Christian Bruch warnt gegenüber dem „Handelsblatt“ vor den Folgen der anhaltenden Unsicherheit. Die Fabriken warteten auf Aufträge, und Zulieferer hielten sich mit Investitionen zurück. Branchenexperten befürchten einen „Fadenriss“, bei dem über Jahre Aufträge für Teile der Offshore-Lieferkette fehlen könnten.
Bruch fordert deshalb, die festgefahrenen Projekte wieder in Gang zu bringen und der Industrie mehr Investitionssicherheit zu geben. Europa habe bereits die Solarproduktion verloren, bei der Offshore-Windenergie müsse eine ähnliche Entwicklung verhindert werden.
Zur Einordnung: Siemens Gamesa ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Siemens Energy. Der Windturbinenhersteller war in den letzten Jahren schwer in der Krise, auch wegen technischer Mängel bei seinen Onshore-Plattformen. Zuletzt schrieb Gamesa zum ersten Mal seit über vier Jahren wieder operative Gewinne.
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