Liebe Leserin, lieber Leser,
den Wochenstart hatte die Aktie von Siemens Energy ziemlich vermasselt. Von ihrem Rekordhoch, ausgebildet bei 136,40 Euro am Donnerstag vergangener Woche, waren die Papiere des Energietechnik-Konzerns am Dienstag bis auf 128,30 Euro zurückgefallen – ein Abschlag von rund sechs Prozent. Unter anderem hatte die UBS an jenem Tag zum Verkauf der Papiere geraten, angesichts der neuen Zollandrohungen durch US-Präsident Donald Trump. Doch so schnell kann’s gehen: Die Zölle waren ein Tag später vom Tisch – und die Siemens Energy-Aktie markierte am Donnerstagmorgen bei 137 Euro gar eine neue Höchstbewertung.
UBS beließ Siemens Energy auf „sell“
Wie kurz zuweilen die Halbwertszeit von Prognosen sein können, zeigte sich an der Einschätzung von Andre Kukhnin von der schweizer Großbank. Der UBS-Analyst hatte die Einstufung für Siemens Energy am Dienstag auf „sell“ belassen, als er sich in seiner Branchenstudie mit der Frage beschäftigte, welche Risiken die neuen Zolldrohungen von US-Präsident Trump für die europäische Investitionsgüterindustrie bergen – und damit auch für Siemens Energy. Er gehe davon aus
- „dass die angedrohten Zölle von 10 beziehungsweise 25 Prozent durch relativ moderate Preiserhöhungen kompensiert werden können“, wie er schrieb
- zugleich aber verwies der Analyst auf das Risiko einer Eskalation auf beiden Seiten – und sollte schnell eines Besseren belehrt werden
Absurd niedriges Kursziel nach den Zahlen
Seit Mittwoch und Trumps Auftritt ist klar: Zu einer solchen ist es nicht gekommen. Der US-Präsident sagte die Strafzölle gegen die EU wieder ab, ein Rahmenabkommen für einen Grönland-Deal soll stehen. Wenngleich Details bislang nicht bekannt sind, sieht die Welt bereits wieder völlig anders aus.
Doch es ist nicht das erste Mal, dass man sich in der Schweiz bezüglich des Energietechnik-Konzerns grandios getäuscht hat. Analystin Supriya Subramanian, Kollegin bei der UBS, hatte die Einstufung für Siemens Energy nach den Zahlen zum dritten Quartal 2025 im November mit einem absurd niedrigen Kursziel von 38 Euro auf „Sell“ belassen.
Siemens Energy gewann weitere 25 Prozent
Zur Erinnerung: Bei rund 110 Euro notierten die Papiere am Analysetag, Subramanian sagte damit einen Einbruch beim Energietechnik-Konzern um nicht weniger als 65 Prozent voraus. Stattdessen hat die Aktie sich seit diesem Zeitpunkt um weitere 25 Prozent im Wert gesteigert.
Mit ihrer pessimistischen Prognose stand sie ohnehin recht alleine da. Nahezu alle anderen Analysten hatten nach Zahlen den Kauf von Siemens Energy empfohlen – und diese Einschätzung im Laufe des Januars erneut bestätigt. Mit einer Ausnahme, wie die Auflistung durch finanzen.net dokumentiert:
- RBC Capital: 150,00 EUR
- Barclays: 90,00 EUR
- Bernstein Research: 150,00 EUR,
- Deutsche Bank: 135,00 EUR
Während die Deutsche Bank die Aktie derzeit also als fair bewertet ansieht, RBC und Bernstein weiter Luft nach oben sehen, hatte die britische Barclays das Kursziel für Siemens Energy vor einer Woche zwar von 85 auf 90 Euro angehoben, aber die Einstufung lediglich auf „Equal Weight“ belassen. Der Markt scheine ein starkes Wachstum der Industrieproduktion fest einzupreisen, schrieb Analyst Vladimir Sergievskiy in einer Branchenanalyse zur Berichtssaison der Investitionsgüterkonzerne. Im Elektronikbereich sehe er aber „eher Anzeichen einer Spätkonjunktur und im breiteren Industriesektor nur uneinheitliche Erholungsanzeichen“.
RBC lag mit Prognose bislang richtig
Die kanadische Bank RBC hingegen hatte Siemens Energy nach Windkraftauktionen in Großbritannien am selben Tag mit einem Kursziel von 150 Euro auf „Outperform“ belassen. Die zugeteilten Kapazitäten hätten die Erwartungen mit 8,4 Gigawatt um mehr als das Doppelte übertroffen, schrieb Analyst Colin Moody. Dies sei ein „positives Signal“ für Unternehmen wie Siemens Energy oder Vestas als führende Offshore-Lieferanten im Vereinigten Königreich. Bislang scheint er mit seiner Prognose Recht zu behalten.
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