Siemens Energy trennt sich vom eigenen Namen. Der Energiekonzern kündigte am 14. Juli 2026 aus Berlin an, eine eigenständige Marke einzuführen. Der Grund ist simpel: Die Lizenz zur Nutzung des Siemens-Namens läuft aus.
Omterra ersetzt zwei Marken auf einen Schlag
Künftig sollen Siemens Energy und die Windkraftsparte Siemens Gamesa unter einem gemeinsamen Namen auftreten: Omterra. Der Name setzt sich aus „om“ für alles und „terra“ für Land zusammen. Der Rebranding-Prozess soll noch in diesem Jahr starten und in mehreren Stufen ablaufen.
CEO Christian Bruch begründet den Zeitpunkt mit der aktuellen Unternehmenslage. „Seit unserer Abspaltung war klar, dass die lizenzierte Marke Siemens Energy nur für einen begrenzten Zeitraum verfügbar sein würde“, so Bruch. Das Unternehmen sei heute strategisch, operativ und finanziell gut aufgestellt. Deshalb sei jetzt der richtige Moment für den Wechsel zur eigenen Marke gekommen.
Eine Windkraftsparte mit turbulenter Vorgeschichte
Die Zusammenlegung der beiden Geschäftsbereiche ist der eigentlich bemerkenswerte Teil der Ankündigung. Siemens Gamesa entstand 2017 aus der Fusion von Siemens Wind Power mit dem spanischen Hersteller Gamesa. Erst mit der Abspaltung von der Siemens AG im Jahr 2020 ging der Siemens-Anteil an Siemens Gamesa auf die neu gegründete Siemens Energy über. 2022 übernahm der Konzern die restlichen Anteile und nahm die Sparte von der spanischen Börse.
Die Jahre danach verliefen turbulent. 2023 deckte eine technische Prüfung fehlerhafte Komponenten in 15 bis 30 Prozent der Turbinenmodelle auf. Die Ersatzkosten lagen bei über einer Milliarde Euro. Das Geschäftsjahr 2023 endete mit einem Defizit von 4,4 Milliarden Euro. Investoren und Banken verloren das Vertrauen, die Bundesregierung sprang im November 2023 mit einer Bürgschaft über 7,5 Milliarden Euro ein.
Auch 2024 blieben Probleme sichtbar. Der norwegische Windpark Odal Vind musste wegen fehlerhafter Rotorblätter teilweise stillgelegt werden. Ausgerechnet diese von Qualitätskrisen gebeutelte Sparte verschmilzt nun mit dem Kerngeschäft unter neuem Namen.
Für Kunden und Geschäftspartner soll sich laut Unternehmen operativ nichts ändern. Die strategische Ausrichtung und bestehende Beziehungen blieben unberührt, betont Siemens Energy.
Zwei Geschwindigkeiten im operativen Geschäft
Die Umbenennung fällt in eine Phase, in der sich die beiden Sparten gegensätzlich entwickeln. Während die Windkraftsparte weiter mit Qualitätsproblemen kämpft, wächst die Nachfrage nach Netzinfrastruktur und Kraftwerkstechnik kräftig. Elektrifizierung und Netzausbau treiben dieses Geschäft an.
Der Kapitalmarkt reagiert auf diese Gemengelage mit Nervosität. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 151,20 Euro, ein Minus von 4,79 Prozent zum Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,54 Euro, erreicht am 24. April 2026, liegt der Titel noch rund 22,7 Prozent entfernt. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 25,58 Prozent zu Buche.
Ob der neue Markenname am Kapitalmarkt als Neuanfang oder als kosmetische Geste wahrgenommen wird, entscheidet sich erst mit dem tatsächlichen Rebranding-Fortschritt. Der Prozess soll noch 2026 beginnen und schrittweise über mehrere Stufen laufen. Bis dahin bleibt der Name Siemens Energy im Geschäftsalltag präsent.
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