Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von Siemens Energy scheint ihre Schwächephase beendete zu haben: Vor einer Woche aufgrund einer Aussage von Elon Musk zu SpaceX eingeknickt, fielen die Papiere des Energietechnik-Konzerns von zuvor 156 Euro am Mittwoch bis auf 139,16 Euro zurück, haben sich aber wieder gefangen. Bei 147,06 Euro hatte sich die Siemens-Energy-Aktie ins Wochenende verabschiedet, am Montag knackte sie in Frankfurt die Marke von 150 Euro. Gut möglich, dass eine Nachricht aus München die Anleger wieder zuversichtlich stimmt. Die Analysten waren es ohnehin.
Siemens Energy testet neue Gasturbine
Denn Siemens Energy testet eine neue Gasturbinentechnik im nordrhein-westfälischen Chemiepark Marl. Dafür hat das Münchner Unternehmen eine sogenannte SGT-800 Industrial Demonstrator Turbine im Gaskraftwerk von SYNEQT, einer Tochtergesellschaft von Evonik Industries, in Betrieb genommen. Die Testanlage ermögliche es Siemens Energy, neue Gasturbinen-Technologien und Komponenten unter realen Einsatzbedingungen zu erproben, heißt es.
Die SGT-800 Gasturbine wird den Angaben zufolge über einen Zeitraum von vier Jahren in Betrieb sein und die ansässigen Chemieunternehmen mit Strom und Prozessdampf versorgen. „Während der gesamten Testlaufzeit wird die Turbine kontinuierlich überwacht und ausgewählte Komponenten planmäßig ausgetauscht“, so Siemens Energy. Durch das Konzept können demnach fortschrittliche Materialien, Komponenten und Fertigungsverfahren langfristig und im industriellen Maßstab getestet werden, ohne den regulären Anlagenbetrieb zu beeinträchtigen.
- SYNEQT betreibt einen der größten Chemieparkstandorte Deutschlands und verfügt vor Ort über vier Gasturbinen des Typs SGT-800
- Die Industrial Demonstrator Turbine von Siemens Energy hat demnach eine der vier bislang betriebenen Turbinen ersetzt
Validierung unter Betriebsbedingungen
Die ursprünglich vorhandene Gasturbine bleibt laut Mitteilung als Reserve vor Ort verfügbar und gewährleistet damit eine hohe Anlagenverfügbarkeit in der Testphase. Eine solche Validierung unter Betriebsbedingungen ergänze andere interne Prüfverfahren, um sicherzustellen, dass neue Produkte die geforderten Spezifikationen erfüllen und dauerhaft zuverlässig arbeiten, wie es heißt. Wichtige Komponenten, die im Rahmen des Projekts untersucht werden, seien unter anderem Turbinenleit und- laufschaufeln sowie Brenner.
„Das Konzept ermöglicht Langzeittests neuer Technologien, darunter Gasturbinenkomponenten aus additiver Fertigung sowie fortschrittlicher Materialien und Beschichtungen, direkt im kommerziellen Anlagenbetrieb“, so Siemens Energy. Aufbauend auf Entwicklungs-, Prüfstands- und Komponentenversuche liefere der kontinuierliche Testbetrieb über mehrere tausend Stunden „wichtige Erkenntnisse für die weitere Qualifizierung dieser Technologien und für die nächste Generation von Gasturbinenkomponenten“, heißt es.
Sorge um Siemens Energy wegen SpaceX
Es ist eine gute Nachricht, nachdem die Aktie von Siemens Energy zuletzt unter Druck geraten war – ausgerechnet aufgrund des Gasturbinengeschäfts. Denn Elon Musk hatte Ende August bestätigt, dass sein Unternehmen SpaceX wichtige Turbinenkomponenten künftig selbst herstellen wolle. Dabei gehe es um hochkomplexe Schaufeln und Leitschaufeln, wie es hieß. Die Märkte reagierten verschreckt auf die Ankündigung, doch mehrere Analysten gaben bald Entwarnung.
Am Dienstag hatte sich bereits die Deutsche Bank geäußert, die Pläne seien „weitaus weniger bedrohlich für die Gasturbinen-Anbieter als es zunächst erscheinen möge“, hieß es. SpaceX gehe es wohl in erster Linie darum, die Stromversorgung für seine KI-Rechenzentren in angemessener Zeit sicherzustellen.
- Die Bank hielt an ihrer Kaufempfehlung für die Siemens Energy fest, das Kursziel blieb bei 210 Euro
- Zum selben Ergebnis (und Kursziel) kam wenig später Lucas Ferhani vom US-Analysehaus Jefferies
JP Morgan bestätigte Kursziel von 245 Euro
Noch weitaus zuversichtlicher zeigte sich am Mittwoch die US-Bank JPMorgan: Sie hatte die Einstufung für Siemens Energy auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 245 Euro belassen. Gespräche mit SpaceX und dem führenden Turbinenblatthersteller Howmet hätten ihn in seiner ersten Einschätzung bekräftigt, dass SpaceX solche Komponenten nur für die Stromversorgung der eigenen KI-Rechenzentren herstellen wolle, beruhigte Phil Buller. Von der grundsätzlich hohen Nachfrage nach Gasturbinen sollten deren Hersteller weiterhin profitieren. Die Anleger folgen dieser Einschätzung inzwischen offenbar.
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