Siemens Energy hat gestern einen Teil der jüngsten Verluste wettgemacht. Die Aktie legte um 2,4 Prozent zu und schloss bei 145,86 Euro. Auslöser war eine Einschätzung von JPMorgan-Analyst Phil Buller, der die Sorgen um eine mögliche Turbinenkonkurrenz durch SpaceX als übertrieben einordnet.
Kursziel angehoben, Risiko relativiert
Buller hob sein Kursziel für Siemens Energy von 235 auf 245 Euro an und bestätigte das Overweight-Rating. Zentraler Punkt seiner Analyse: Die Spekulationen, wonach Elon Musk mit SpaceX in die Gasturbinen-Fertigung einsteigen könnte, rechtfertigten nicht die Kursverluste der vergangenen Wochen.
Genau diese Gerüchte hatten den Titel Ende August unter Druck gesetzt und Anleger verunsichert. Mit der Neubewertung durch JPMorgan gewinnt die Aktie nun einen Teil des verlorenen Terrains zurück, bleibt aber deutlich unter ihrem Stand von vor den Spekulationen.
Die Erholung fällt bislang moderat aus. Der Kurs notiert noch rund 4,7 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 153,00 Euro, was auf eine noch nicht abgeschlossene Stabilisierung hindeutet.
Zum bisherigen Jahreshoch von 195,38 Euro, erreicht im April, klafft weiterhin eine Lücke von 25 Prozent. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Handelstage liegt bei 51 Prozent – ein Hinweis darauf, wie nervös der Markt den Titel derzeit handelt.
Zwei Baustellen parallel: Umbau und Wettbewerbsdruck
Die SpaceX-Spekulationen trafen die Aktie zu einem Zeitpunkt, an dem Siemens Energy ohnehin im Umbruch steckt. Der Aufsichtsrat hatte am 25. August die rechtliche und operative Verselbstständigung der Sparte Transformation of Industry beschlossen.
Diese Sparte mit rund 17.000 Beschäftigten erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro bei einer Marge von 11,3 Prozent. Mehrere Finanzinvestoren, darunter CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR, prüfen laut einem Bloomberg-Bericht eine Mehrheitsbeteiligung an der Sparte, deren Bewertung über 10 Milliarden Euro liegen könnte.
Diese strukturellen Weichenstellungen bilden den Hintergrund, vor dem die SpaceX-Gerüchte für zusätzliche Verunsicherung sorgten. Anleger mussten binnen weniger Tage zwei Nachrichten gleichzeitig verarbeiten: den geplanten Konzernumbau und die Frage, ob im margenstarken Turbinengeschäft neue Konkurrenz droht. JPMorgans Einordnung, wonach das Wettbewerbsrisiko begrenzt sei, nimmt der Aktie zumindest einen Teil dieser doppelten Belastung.
Operative Basis bleibt stark
Untermauert wird die positive Analystensicht durch die zuletzt vorgelegten Geschäftszahlen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 30. Juni endete, erreichte Siemens Energy einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro – ein Rekordwert und ein Plus von 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Umsatz stieg vergleichbar um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, der Nettogewinn kletterte um rund 70 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand summiert sich mittlerweile auf 162 Milliarden Euro.
Das Management bestätigte im Zuge der Zahlen die Jahresprognose und stellte eine Marge am oberen Ende der Spanne von 10 bis 12 Prozent in Aussicht. Auf dieser soliden operativen Basis baut auch Bullers optimistische Einschätzung auf: Strukturelle Nachfrage aus dem Ausbau von KI-Rechenzentren und Engpässen in den Stromnetzen bleibt der zentrale Wachstumstreiber für das Unternehmen – unabhängig davon, wie sich die Debatte um mögliche neue Wettbewerber am Ende auflöst.
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