Siemens Energy-Aktie: Irrsinn!

Siemens Energy meldete im dritten Quartal deutliche Zuwächse bei Umsatz, Gewinn und Aufträgen, doch Kursverluste belasten die Aktie.

Auf einen Blick:
  • Aktie verteidigt Marke von 140 Euro
  • Umsatz steigt auf 11,4 Milliarden Euro
  • Siemens Gamesa schreibt wieder schwarze Zahlen
  • Abspaltung von Omterra sorgt für Diskussionen

Liebe Leserinnen und Leser,

141,47 Euro zeigen die Börsentafeln am Freitagmorgen für Siemens Energy. Nach einem Minus von 2,98 % am Vortag geht es zunächst um 0,46 % nach oben. Die Aktie schafft es damit zumindest, die Marke von 140 Euro zu verteidigen. Dennoch ist die Situation für den ansonsten sehr attraktiven Wert derzeit fast schon alarmierend.

Der Abwärtstrend für die Siemens Energy ist eindeutig

Vom GD100 trennen Siemens Energy inzwischen 11,80 %. Die 100-Tage-Linie hat für technische Analysten eine große Bedeutung bei der Beurteilung des mittelfristigen Trends. Auch gegenüber dem GD200 liegt die Aktie mit 6,99 % im Minus. In den vergangenen vier Wochen haben die Notierungen bereits 12,4 % verloren. In den zurückliegenden fünf Handelstagen waren es 3,2 %. Im laufenden Jahr liegt Siemens Energy allerdings noch mit 17 % vorne.

Siemens Energy Aktie Chart

Dabei hatte das Unternehmen im dritten Quartal durchaus attraktive Zahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um mehr als 18 % auf 11,4 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erreichte gut 1,08 Milliarden Euro, die Marge kletterte auf rund 9,5 %. Zudem hat Siemens Energy ein Aktienrückkaufprogramm gestartet, das bis 2028 insgesamt rund 6 Milliarden Euro umfassen soll.

Wirtschaftlich ist die Aktie unverändert sehr stark

Positiv entwickelte sich auch der Auftragseingang. Siemens Energy akquirierte neue Aufträge im Volumen von 17,9 Milliarden Euro und erreichte beim Auftragsbestand einen Rekordwert von 162 Milliarden Euro.

Der Gewinn vor Sondereffekten hat sich mit 1,623 Milliarden Euro gegenüber 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal mehr als verdreifacht. Die Marge vor Sondereffekten stieg auf 14,2 %. Auch das Ergebnis je Aktie erhöhte sich von 0,71 Euro auf 1,28 Euro. Der Free Cashflow vor Steuern legte von 419 Millionen Euro auf 2,319 Milliarden Euro zu.

Siemens Gamesa hat für positive Schlagzeilen gesorgt

Bemerkenswert war zudem die Entwicklung bei der Windkrafttochter Siemens Gamesa. Sie schaffte erstmals seit fast vier Jahren wieder den Sprung in die schwarzen Zahlen. Der Gewinn vor Sondereffekten erreichte 75 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Minus von 438 Millionen Euro angefallen war. Die Quartalszahlen hatten der Aktie deshalb zunächst einen starken Impuls gegeben.

Inzwischen hat sich die Stimmung an der Börse jedoch deutlich verschlechtert. Ein Grund liegt im Geschäft mit dem Aufbau von KI-Rechenzentren. Der Boom hatte Siemens Energy zuvor kräftig nach oben getrieben. Mit den Zweifeln am weiteren KI-Wachstum bei einzelnen Unternehmen steigt offenbar auch die Bereitschaft, bei Siemens Energy Gewinne mitzunehmen.

Ein Großauftrag ist verloren (oder zumindest nicht gewonnen)

Hinzu kommt ein verlorener Großauftrag. Eine wichtige Ausschreibung für ein Power-Grid-Projekt ging an GE Vernova. Siemens Energy erhielt damit einen größeren Auftrag mit höheren Margen nicht, auf den Teile des Marktes möglicherweise gesetzt hatten.

Für zusätzliche Diskussionen sorgt die angekündigte Abspaltung des Geschäftsbereichs Transformation of Industry. Die profitable Sparte soll künftig als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Omterra geführt werden. Im vergangenen Jahr erzielte der Geschäftsbereich einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro und eine Marge von 11,3 %. Die Ankündigung führte an der Börse zu weiteren Gewinnmitnahmen.

Analysten sehen die Abspaltung der Transformation of Industry positiver

Analysten bewerten die Abspaltung positiver. Aus ihrer Sicht könnte Siemens Energy dadurch schlanker und fokussierter werden und höhere Bewertungsmultiplikatoren erreichen. Vollständig abgeben will der Konzern Omterra ohnehin nicht. Siemens Energy plant, eine bedeutende Minderheitsbeteiligung zu behalten. Das neue Unternehmen könnte externe Investoren aufnehmen oder später selbst an die Börse gehen.

Damit haben sich die Einschätzungen der Analysten und die jüngste Kursentwicklung deutlich voneinander entfernt. Wirtschaftlich hat sich an der Situation von Siemens Energy vergleichsweise wenig geändert.

Die Analystenhäuser halten deshalb an hohen Bewertungen fest. Das durchschnittliche Kursziel liegt weiterhin bei mehr als 196 Euro. Ausgehend von 141,47 Euro entspricht das einem rechnerischen Potenzial von rund 39 %. Eine der fast durchgehend zu lesenden Begründungen bezieht sich auf das Boom-Thema KI schlechthin. Denn auch vom weiteren Ausbau der KI-Rechenzentren könnte Siemens Energy profitieren. Die großen KI-Unternehmen investieren derzeit und auch in den kommenden Jahren sehr massiv in diesen Bereich. Neue Kursrekorde für die Siemens Energy wären daher nicht überraschend.

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