Ein enttäuschender Ausblick des US-Konkurrenten GE Vernova hat am Mittwoch eine sektorweite Verkaufswelle ausgelöst – Siemens Energy blieb davon nicht verschont. Schwache Margen im Windsegment des amerikanischen Rivalen schickten Energiewerte branchenübergreifend auf Talfahrt, und auch die Aktie des Münchner Energietechnikkonzerns musste im Sog der schlechten Stimmung deutliche Rücksetzer hinnehmen.
Am Freitag schloss das Papier bei 150,70 Euro, nach einem moderaten Tagesplus von 0,32 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Minus von 5,22 Prozent zu Buche – ein Nachhall der jüngsten Turbulenzen. Zum langfristigen Aufwärtstrend passt das nur bedingt: Mit einem Abstand von 3,82 Prozent notiert die Aktie weiterhin über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, was die grundsätzliche Erholung seit dem Jahrestief im September untermauert.
Deutsche Bank hält an Kaufempfehlung fest
Die durchwachsenen Zahlen von GE Vernova haben die Analysten der Deutschen Bank nicht von ihrer positiven Einschätzung abgebracht. Analyst Gael de-Bray bestätigte am Donnerstag das Rating „Buy“ mit einem Kursziel von 200,00 Euro. Die Studie stellt klar, dass die Probleme des US-Konkurrenten aus fundamentaler Sicht nichts an der Bewertung für Siemens Energy ändern.
Diese Einschätzung reiht sich in eine Reihe optimistischer Stimmen der vergangenen Tage ein. Erst am Montag hatte UBS-Analyst Christopher Leonard die Aktie von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel von 175,00 auf 210,00 Euro angehoben. Begründet wurde der Schritt mit der anhaltend starken operativen Dynamik im Gasturbinengeschäft, deren Höhepunkt laut UBS erst nach 2026 erreicht werden dürfte. Nicht alle Häuser teilen diesen Optimismus uneingeschränkt: Barclays hatte die Aktie bereits am 7. Juli von „Equal Weight“ auf „Underweight“ zurückgestuft, gleichzeitig aber das Kursziel von 110,00 auf 130,00 Euro angehoben – ein Hinweis darauf, dass selbst kritischere Stimmen die Sektorbewertung insgesamt nach oben korrigieren.
Operatives Geschäft liefert Rückenwind
Die fundamentale Basis für die bullishen Analystenstimmen liefert das operative Geschäft. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres steigerte Siemens Energy den Umsatz auf 10,29 Milliarden Euro, ein Plus von 3,33 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Gewinn je Aktie von 0,89 Euro. Das Management hob daraufhin die Prognose für den Jahresgewinn nach Steuern auf rund 4 Milliarden Euro an.
Parallel dazu hat der Konzern im Juni die erste Tranche eines neuen Aktienrückkaufprogramms gestartet, das ein Volumen von bis zu 1 Milliarde Euro umfasst. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 sind Rückkäufe von insgesamt bis zu 6 Milliarden Euro geplant – ein Signal an den Kapitalmarkt, dass sich das Unternehmen finanziell in solider Verfassung sieht.
Blick auf die kommenden Quartalszahlen
Für Anleger rückt nun der 5. August in den Fokus: An diesem Tag will Siemens Energy die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 vorlegen. Nach der angehobenen Jahresprognose vom Mai und den jüngsten Analystenkommentaren wird der Bericht zeigen, ob sich die operative Stärke im Gasturbinengeschäft fortsetzt und ob die Verkaufswelle rund um GE Vernova tatsächlich nur ein Sektor-Nachbeben war oder tiefere Spuren in der eigenen Windsparte hinterlassen hat.
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