Das Rekordhoch verpasst, und dennoch Hoffnung geschürt. So lässt sich die vergangene Woche für die Aktie von Siemens Energy zusammenfassen. Denn nachdem im Laufe des Mittwochs ein Rekordhoch von 156,70 Euro auf dem Kurszettel des Energietechnik-Konzerns stand, war die Aktie zunächst deutlich bis auf 147,55 Euro zurückgefallen, nur um zum Wochenschluss wieder anzuziehen. Letztlich verabschiedete sich die Siemens-Energy-Aktie am Freitag bei einem Kurs von genau 152 Euro aus dem Xetra-Handel, aktuell steht sie etwas höher. Wird die Bestmarke in der neuen Börsenwoche fallen?
Siemens Energy Aktie Chart
Jefferies hob Kursziel auf 164 Euro an – kaufen
Geht es nach dem Analysehaus Jefferies, wird dies zumindest mittelfristig passieren: Analyst Lucas Ferhani hatte das Kursziel für Siemens Energy am vergangenen Wochenende von 134 auf 164 Euro angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen. Er rechne mit einem starken ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 der Münchner, wie er in seinem Ausblick auf den Zwischenbericht schrieb.
- Die starke Dynamik im Geschäft mit Gasturbinen sei immer noch nicht ganz im Konsens angekommen
- Das größte Risiko für 2026 liege noch bei der Tochter Siemens Gamesa Renewable Energy, so Ferhani
UBS-Analyst bei Siemens Energy skeptisch
Diese Sorge teilt Christopher Leonard von der schweizer UBS nicht: Die vom US-Konkurrenten GE Vernova bestätigte Auftragsdynamik bei weiter steigenden Preisen für Gasturbinen stütze seine Erwartungen an den deutschen Energietechnikkonzern, schrieb er Ende Januar – und beließ Siemens Energy auf „Buy“ mit einem Kursziel von 175 Euro.
Vladimir Sergievskiy von der britischen Investmentbank Barclays bleibt skeptisch: Er hatte Mitte Januar die Aktie von Siemens Energy lediglich von 85 auf 90 Euro angehoben, die Einstufung auf „Equal Weight“ belassen. Der Markt scheine ein starkes Wachstum der Industrieproduktion fest einzupreisen, schrieb der Analyst. Er rechnet offenbar nicht damit. An diesem Mittwoch sind dann alle schlauer: Siemens Energy legt Quartalszahlen vor.
Siemens Energy hatte positiv überrascht
Im 4. Quartal des zum 30. September 2025 beendeten Geschäftsjahres 2025 gelang Siemens Energy nach mehreren schwächeren Jahren eine spürbare Wende: Das Unternehmen meldete ein deutlich verbessertes operatives Ergebnis mit zweistelligem Umsatzwachstum in wichtigen Segmenten und einer Rückkehr zur Rentabilität, was die Erwartungen der Investoren übertraf. Die Erlöse lagen erstmals im Quartal über 10 Mrd. Euro und die Nettomarge verbesserte sich deutlich gegenüber dem Vorjahr. Die solide Entwicklung wurde getragen von hoher Nachfrage nach Stromnetzinfrastruktur und Gasturbinen, besonders in den USA und Märkten mit wachsendem Strombedarf.
Analysten sahen laut Medienberichten das positive Momentum in den kommenden Quartalen fortbestehen. Für 2026 wurden ein vergleichbares Umsatzwachstum von 11 % bis 13 % sowie eine Profitmarge vor Sondereffekten von etwa 9 % bis 11 % prognostiziert, unterstützt durch einen hohen Auftragsbestand und fortlaufende operative Verbesserungen. Gleichzeitig rechnet Siemens Energy intern damit, dass Siemens Gamesa bis 2026 die Gewinnschwelle erreicht und so zur Ergebnisstabilisierung beiträgt.
Analysten vor drei Monaten zuversichtlich
Die optimistischen Erwartungen spiegelten sich im November auch in den Analystenbewertungen wider: Einige Investmenthäuser hatten ihre Kursziele und Einstufungen damals bereits nach oben angepasst und sahen weiteren Spielraum für Umsatz-, Ergebnis- und Margensteigerungen über 2025 hinaus. Insgesamt wurde der Ausblick getragen von:
- robustem Auftragsbestand und Nachfrage nach Energietechnik,
- erwarteter Margenverbesserung durch operative Effizienz,
- und der Aussicht auf nachhaltiges Wachstum in Netz- und Gasturbinentechnik
Nun bleibt abzuwarten, ob Siemens Energy den hoch geschraubten Erwartungen tatsächlich gerecht geworden ist. Wenn nicht, könnte Barclays als einziges Institut mit seiner düsteren Prognose richtigliegen.
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