Eine Bank stuft eine Aktie auf Verkaufen herab – und sagt gleichzeitig eine Gewinnverdopplung voraus. Genau das passiert aktuell bei Siemens Energy. Die Aktie schloss am Montag bei 149,00 Euro, nach einem Verlust von 5,7 Prozent innerhalb einer Woche.
Bewertung als einziger Kritikpunkt
Barclays stuft Siemens Energy von „Halten“ auf „Verkaufen“ herab. Der Grund ist allein die Bewertung von rund 130 Milliarden Euro. Das operative Geschäft beurteilen die Analysten dagegen sehr positiv.
Genau diese Trennung sorgt für Diskussionen unter Marktbeobachtern. Barclays erwartet, dass der Gewinn pro Aktie von 4,26 Euro auf 9,20 Euro steigt – eine Verdopplung bis 2028.
Der Umsatz soll im gleichen Zeitraum von 43 auf 57 Milliarden Euro klettern. Die Margen ziehen damit deutlich an.
Bis 2030 rechnet Barclays mit rund 25 Prozent Gewinnwachstum pro Jahr. Allein für das laufende Jahr sollen es 170 Prozent sein.
Analystenlager bleibt gespalten
Andere Häuser sehen die Aktie deutlich positiver. Jefferies bestätigte am 13. Juli 2026 das „Buy“-Rating und ein Kursziel von 215 Euro. Als Begründung nennt der Analyst die Hitzewelle in den USA, die dem Netzbetreiber PJM einen Spitzenlastrekord von 166 Gigawatt eingebracht hat.
Netzbetreiber mussten Notfallgenehmigungen zur Bedarfsreduktion nutzen. Teilweise schalteten sie Rechenzentren auf Notstrom um. Das stärkt laut Jefferies die Argumente für gasbefeuerte Stromerzeugung und dezentrale Energielösungen.
JPMorgan-Analyst Phil Buller hob am 8. Juli 2026 das Kursziel von 225 auf 235 Euro an. Die Einstufung „Overweight“ bleibt bestehen. Buller verweist auf gute Kostenkontrolle, starke KI-Endmärkte und den Elektrifizierungstrend – teils dürften Firmen auch US-Zölle zurückerhalten.
Das Bild bei den übrigen Häusern bleibt uneinheitlich, in Summe aber deutlich optimistischer als bei Barclays. Der Analysten-Konsens aus elf Einschätzungen liegt bei 190,30 Euro. Das liegt deutlich über dem aktuellen Kurs von 149,00 Euro.
Ein Blick auf die US-Konkurrenz liefert zusätzliche Argumente für die Bullen. GE Vernova wächst ähnlich schnell wie Siemens Energy, wird aber mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 60 doppelt so hoch bewertet wie der deutsche Konzern mit knapp 30. Durch das Barclays-Downgrade geriet zuletzt auch GE Vernova unter Druck.
Marktbeobachter werten die Wachstumsraten von Siemens Energy als historischen Ausreißer. Das Unternehmen arbeitet erst seit kurzem profitabel. Lange Jahre schrieb der Konzern Nettoverluste.
Ausblick: Quartalszahlen als Test
Die Aktie notiert derzeit rund 9,6 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,54 Euro trennen sie noch 23,8 Prozent. Der RSI von 40,6 zeigt aktuell keine Überkauft-Situation.
Am 5. August 2026 legt Siemens Energy die Zahlen zum dritten Quartal vor. Anleger achten besonders auf Auftragseingang und Marge im Gasturbinengeschäft.
Bestätigt der Auftragseingang die hohen Wachstumsraten, verliert das Barclays-Rating an Gewicht. Bleiben die Margen im Gasturbinengeschäft dagegen hinter den Erwartungen zurück, bekommt die Bewertungssorge der Bank neue Nahrung.
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