Siemens Energy Aktie: Auftragseingang klettert auf 17,9 Milliarden

Siemens Energy meldete starke Q3-Zahlen, schwarze Zahlen bei Siemens Gamesa und plant die Verselbstständigung einer Industriesparte.

Auf einen Blick:
  • Auftragseingang erreicht 17,9 Milliarden Euro
  • Siemens Gamesa schreibt wieder schwarze Zahlen
  • Industriesparte soll eigenständiger werden
  • Bewertung von über zehn Milliarden Euro angestrebt

Wer sich die jüngste Kursentwicklung von Siemens Energy anschaut, sieht auf den ersten Blick Ernüchterung: Von 149,28 Euro am Freitag trennen das Papier gut 24 Prozent vom 52-Wochen-Hoch bei 195,38 Euro. Auf Wochensicht ging es um 2,7 Prozent zurück. Für mich ist das jedoch kein Warnsignal, sondern schlicht eine Verschnaufpause nach einem der stärksten operativen Quartale in der Unternehmensgeschichte.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Die Anfang August veröffentlichten Q3-Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 sollten eigentlich für mehr Aufmerksamkeit sorgen, als es die Kursreaktion vermuten lässt.

Der Auftragseingang kletterte auf ein Rekordniveau von 17,9 Milliarden Euro, der Umsatz stieg vergleichbar um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITA erreichte 1,6 Milliarden Euro bei einer Marge von 14,2 Prozent, der Quartalsgewinn legte um rund 70 Prozent zum Vorjahr zu.

Besonders bemerkenswert finde ich, dass Siemens Gamesa erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen schreibt – ein Bereich, der jahrelang als Klotz am Bein galt, liefert nun einen positiven Beitrag von 75 Millionen Euro bereinigtem EBITA.

Das Book-to-bill-Verhältnis von 1,57 und ein Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro geben dem Unternehmen eine Visibilität, von der viele Industriekonzerne nur träumen können. Rund ein Fünftel des Auftragseingangs stammt inzwischen aus dem Rechenzentrumsgeschäft – ein direkter Ausdruck des KI-Investitionsbooms, von dem Siemens Energy als Ausrüster für Stromnetze und Energieinfrastruktur profitiert.

Die Bewertung der Turbinensparte als zusätzlicher Werttreiber

Zur operativen Stärke gesellt sich eine strukturelle Neuordnung, die aus meiner Sicht bislang vom Markt nicht vollständig eingepreist wurde. Der Aufsichtsrat hat die Verselbstständigung der Sparte „Transformation of Industry“ genehmigt, zu der Dampfturbinen, Kompressoren und Wasserstoff-Elektrolyseure gehören.

Goldman Sachs wurde mit der Vorbereitung eines Verkaufs der Mehrheitsbeteiligung mandatiert, laut Bloomberg-Berichten liegt die angestrebte Bewertung bei über 10 Milliarden Euro. Namen wie CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR sollen laut Bloomberg bereits Interesse signalisiert haben.

Der Bereich erzielte 2025 einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro bei rund 17.000 Beschäftigten. Siemens Energy will nach der Transaktion eine „wesentliche Minderheitsbeteiligung“ behalten – eine Konstruktion, die dem Konzern erlaubt, Kapital zu heben, ohne die strategische Anbindung vollständig zu kappen.

Für mich ist entscheidend: Eine Bewertung jenseits der 10-Milliarden-Marke für eine einzelne Sparte deutet darauf hin, dass im Konzern verborgene Werte schlummern, die eine reine Betrachtung der Marktkapitalisierung von aktuell 128,56 Milliarden Euro nicht vollständig widerspiegelt.

Rebranding und Insider-Signal als Randnotizen mit Symbolkraft

Der für 2026 angekündigte Namenswechsel zu „Omterra“ mag auf den ersten Blick wie Kosmetik wirken, spart dem Unternehmen aber nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro an jährlichen Lizenzgebühren, die bislang an die ehemalige Muttergesellschaft Siemens AG flossen.

Deren Anteil sinkt im Zuge dessen auf 5 bis 6 Prozent – ein weiterer Beleg dafür, wie weit sich Siemens Energy inzwischen von seinem einstigen Konzernverbund emanzipiert hat. Auch die am 27. August bekannt gewordene Aufstockung durch eine Führungskraft nach dem jüngsten Kursanstieg werte ich als Vertrauenssignal aus dem eigenen Haus, auch wenn Details zur Transaktion fehlen.

Mein Fazit

Die Kombination aus Rekordauftragseingang, endlich profitabler Windkraftsparte und einer möglichen Milliardenbewertung für die Industriesparte spricht für mich klar dafür, dass der Rücksetzer der vergangenen Woche eher Konsolidierung als Trendwende ist.

Die Volatilität von 52 Prozent zeigt zwar, dass die Aktie nervös bleibt, und der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 3,5 Prozent signalisiert kurzfristige Schwäche.

Unterm Strich überwiegen für mich aber die strukturellen Argumente: Ein Konzern, der operativ liefert und gleichzeitig verborgene Werte über Kapitalmarkttransaktionen hebt, dürfte mittelfristig mehr Fantasie bieten, als es der aktuelle Kurs widerspiegelt.

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