Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von Siemens Energy hat sich im frühen Handel am Freitag wieder stabilisiert. In Frankfurt etwa ging es in der ersten Handelsstunde mit den Papieren des Energietechnik-Konzerns um gut ein Prozent nach oben auf rund 169 Euro. Die Verluste aus dem Vortag waren damit allerdings bei weitem nicht ausgeglichen, als die Siemens-Energy-Aktie von 182 Euro noch im Laufe des Mittwochs auf zwischenzeitlich 165,30 Euro durchgereicht worden war – ein Abschlag von fast zehn Prozent. Was die Anleger aktuell so verunsichert, ist unklar. An den Analysten liegt es zweifellos nicht.
Kursziel von 225 Euro für Siemens Energy
Denn erst am Donnerstag hat sich der nächste institutionelle Beobachter gemeldet – und eine Kaufempfehlung für Siemens Energy ausgesprochen: Es war Phil Buller von der US-Bank JP Morgan, der laut Medienberichten die Einstufung für die Aktie mit einem Kursziel von 225 Euro auf „Overweight“ belassen hatte. Der Analyst sieht somit weiteres Kurspotenzial von gut einem Drittel
Hinsichtlich KI und Rechenzentren seien die Anleger in Asien deutlich optimistischer was die Dauer des Themas betreffe, schrieb Buller am Mittwoch nach Investorentreffen in Tokio, Singapur, Honkong und Schanghai und letztlich der JP Morgan-China-Konferenz. Die asiatischen Anleger seien andererseits allerdings auch kurzfristig skeptischer bezüglich der bereits starken Positionierungen in den Aktien dieses Bereichs und ihrer Bewertungen, so der Analyst. Bei Siemens Energy fühlten sich die Anleger aber immer noch sehr wohl.
Auch andere Analysten mit hohen Prognosen
Mit dieser Sicht auf die Dinge ist der US-Analyst nicht allein. Auch andere hatten im Laufe des Monats ihre Zuversicht bezüglich des Münchner Unternehmens ausgedrückt, ebenfalls mit hoher Prognose.
- Deutsche Bank: 200,00 Euro
- Jefferies: 215,00 Euro
- Bernstein Research: 210,00 Euro
Die Bedenken von Investoren hinsichtlich eines möglichen Zenits bei Gaskraftwerken ließen den erwarteten Anstieg mit Ersatzteil-Umsätzen ab 2030 sowie die strukturelle Wachstumsdynamik im Netzgeschäft außer Acht, begründete etwa Gael de-Bray von der Deutschen Bank vor einer Woche nach einer Investorenveranstaltung seinen Optimismus. Er gehe davon aus, dass das Management im November das Aktienrückkaufprogramm aufstocken und für 2030 eine Margenspanne von 18 bis 20 Prozent anpeilen wird.
Siemens Energy mit starken Quartalszahlen
In der Tat: Siemens Energy hatte zuletzt erneut starke Quartalszahlen vorgelegt und seine Jahresprognose angehoben. Besonders die Sparten Grid Technologies und Gas Services profitieren von der weltweit steigenden Nachfrage nach Energieinfrastruktur. Hintergrund ist unter anderem der Boom bei KI-Rechenzentren, die enorme Mengen Strom benötigen. Der Auftragseingang erreichte zuletzt Rekordwerte von rund 17,7 Milliarden Euro, während der Auftragsbestand auf mehr als 150 Milliarden Euro anwuchs. Auch der Gewinn sowie der Free Cashflow entwickelten sich deutlich besser als erwartet.
Die Entwicklung zeigt, dass Siemens Energy derzeit von zwei großen Trends profitiert: dem Ausbau der Stromnetze und der zunehmenden Elektrifizierung vieler Industriebereiche. Vor allem in den USA investiert der Konzern massiv in zusätzliche Produktionskapazitäten. Die Nachfrage nach Gasturbinen, Netztechnik und Lösungen für Rechenzentren steigt.
Siemens-Energy-Aktie 13 Prozent unter Höchststand
Auch die lange problematische Windkrafttochter Siemens Gamesa sendet inzwischen positive Signale. Zwar bleibt das Geschäft herausfordernd, doch die operativen Verluste konnten deutlich reduziert werden. Das Unternehmen hält weiterhin am Ziel fest, im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle zu erreichen. Verbesserungen bei Offshore-Projekten und im Servicegeschäft gelten als wichtige Fortschritte.
- Zu nennen wären zudem Rekord-Auftragseingänge und höhere Gewinnprognosen
- Dazu ein starkes Wachstum durch KI-Rechenzentren und Stromnetz-Ausbau
Die Anleger hingegen wurden zuletzt vorsichtiger – aller Analystenempfehlungen zum Trotz. Seit ihrem Höchststand, den die Aktie von Siemens Energy Ende April bei 195 Euro ausgebildet hatte, verlor sie rund 13 Prozent an Wert.
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