Roland Busch sagt, was viele Konzernchefs nur hinter vorgehaltener Hand flüstern. Der Siemens-CEO hat klargemacht, dass künftige KI-Investitionen des Münchner Industrieriesen bevorzugt in die USA und nach China fließen, falls Europa seinen restriktiven Kurs bei der KI-Regulierung nicht korrigiert. Das ist keine leere Drohung, das ist Standortpolitik mit dem Taschenrechner.
Regulierung hat eben ihren Preis
Wer glaubt, strenge Regeln schützten nur Verbraucher, verkennt die Mechanik globaler Investitionsentscheidungen. Konzerne wie Siemens rechnen durch, wo KI-Projekte am schnellsten, am günstigsten und mit dem geringsten regulatorischen Gegenwind umgesetzt werden können. Derzeit gewinnen dabei nicht Frankfurt oder München, sondern San Francisco und Shanghai.
Busch ist dabei kein Einzelfall. Schon länger beklagen europäische Technologiechefs, dass der AI Act und verwandte Regulierungsvorhaben Innovation bremsen, bevor sie überhaupt beginnt. Nur sagt es kaum einer so direkt.
Was Europa gerade verspielt
Das Pikante an Buschs Aussage ist, mit wem er Europa vergleicht. Die USA und China, geopolitische Rivalen in nahezu allem, sind sich in einem einig: KI-Entwicklung geht vor Regulierungsbedenken. Europa hingegen reguliert zuerst und fragt nach dem Nutzen später. Das ist ein Luxus, den sich ein Kontinent mit Wachstumsproblemen eigentlich nicht leisten kann.
Siemens steht dabei sinnbildlich für das Dilemma. Ein Unternehmen, das in Automatisierung, industrielle KI und digitale Infrastruktur investiert, braucht Planungssicherheit, keine bürokratischen Stolpersteine. Wenn der eigene CEO öffentlich mit Kapitalverlagerung droht, ist das kein Verhandlungstrick. Das ist eine Diagnose des Ist-Zustands.
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