Rekordauftragseingang, angehobene Gewinnprognose, ein Ergebnis über allen Erwartungen — und trotzdem rauscht die Aktie am Donnerstag um rund sechs Prozent nach unten. Siemens liefert operativ fast nichts, was man kritisieren könnte. Genau das scheint das Problem zu sein: Nach dem starken Kurslauf der vergangenen Monate reichte selbst ein Übertreffen der Erwartungen nicht mehr, um Anleger zu überzeugen.
Zahlen schlagen Prognosen auf breiter Front
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 steigerte Siemens den Umsatz vergleichbar um acht Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis im Industriegeschäft kletterte um ein Viertel auf 3,5 Milliarden Euro, begünstigt auch durch Zollrückerstattungen in den USA, von denen vor allem die Medizintechniktochter Healthineers profitierte. Unter dem Strich blieb ein Gewinnplus von 15 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.
Noch deutlicher fiel der Auftragseingang aus: Er legte um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro zu, angetrieben von der Sparte Smart Infrastructure. Der massive Ausbau von KI-Rechenzentren treibt die Nachfrage, ebenso profitiert die Sparte Digital Industries mit Industrieautomatisierung und Softwaregeschäft. Für Smart Infrastructure hob Siemens zudem die eigenen Erwartungen bei Umsatz und Marge an.
Auf Basis dieser Entwicklung erhöhte der Konzern seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Erwartet wird nun ein Ergebnis je Aktie vor bestimmten Kaufpreiseffekten zwischen 11,20 und 11,50 Euro, nach zuvor 10,70 bis 11,10 Euro. Der Umsatzausblick von sechs bis acht Prozent vergleichbarem Wachstum bleibt bestehen — Siemens rechnet weiterhin damit, das obere Ende dieser Spanne zu erreichen.
Healthineers-Abspaltung nimmt Form an
Bei der geplanten Trennung von Siemens Healthineers kommt der Konzern voran. Die relevanten steuerlichen Fragen mit den Finanzbehörden sind mittlerweile verbindlich geklärt, wie Finanzvorständin Veronika Bienert bei der Zahlenvorlage erklärte. Die Aktionäre beider Unternehmen sollen auf den Hauptversammlungen im kommenden Jahr über die Abspaltung abstimmen, weitere Details sind für November mit den Jahreszahlen angekündigt.
Konzernchef Roland Busch kündigte zudem an, die Aufsichtsratsmandate von Siemens-Vorständen bei Healthineers von drei auf eins zu reduzieren. Er selbst und Bienert wollen ihre Mandate niederlegen — wirksam zur Hauptversammlung von Siemens Healthineers im Februar 2027. Geplant ist, in einem ersten Schritt 30 Prozent der aktuell rund 67 Prozent an Healthineers abzugeben, bevor die verbleibende Beteiligung mittelfristig zu einer reinen Finanzbeteiligung werden soll. Aktionäre hatten eine Trennung schon länger gefordert, da die Medizintechniksparte kaum Synergien zum übrigen Geschäft aufweist und viel Kapital bindet.
Der Kursrückgang wirkt damit weniger wie eine Reaktion auf schwache Geschäftszahlen als wie eine Gewinnmitnahme nach der starken Vorlaufrally. Die eigentliche Story bleibt intakt: steigende Nachfrage durch den KI-Boom, eine angehobene Prognose und ein Konzernumbau, der mit den Novemberzahlen konkretere Formen annehmen soll.
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